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Grandes Marées – die Macht des Mondes

Grandes Marées – große Meere – nennen die Franzosen die Springfluten an der Atlantikküste. Aber: Wie entstehen sie genau? Was muss ich beachten? Ein Naturphänomen, kurz erklärt.

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Grandes Marées am Havre von Saint Germain sur Ay
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Wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie stehen, sind die Fluten besonders hoch.

Ebbe und Flut – und damit die Gezeiten – sind aus dem Zusammenspiel von Erde, Sonne und Mond zu erklären. Der Mond mit seiner Anziehungskraft zieht das Wasser auf der Erde ein Stück zu sich heran: Es entsteht ein sogenannter Flutberg auf der Seite, wo gerade der Mond steht. Die Erde dreht sich und wandert deshalb unter dem Gezeitenberg durch – so entstehen Ebbe und Flut.*  Auch die Sonne wirkt auf die Gezeiten ein, allerdings nicht so stark wie der Mond. Interessant wird die Kraft der Sonne erst, wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie stehen: Dann addieren sich die Anziehungskräfte von Sonne und Mond. Das ist bei Neu- und bei Vollmond der Fall. Der Flutberg wird entsprechend höher und der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist besonders hoch. Es kommt zu dem Phänomen, das die Franzosen Grandes Marées nennen: Bei Ebbe verschwindet das Wasser fast am Horizont und bei Flut läuft es besonders schnell und zum Teil auch sehr weit in Buchten und Trockenhäfen (Havres) ein. Da der Flutberg etwa zwei Tage braucht, bis er an der Küste ankommt, ist der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut kurz nach Voll- oder Neumond zu beobachten. Besonders groß ist der Effekt, wenn sich der Mond sehr nah an der Erde befindet, was meist im Frühjahr und Spätsommer/Herbst der Fall ist.

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Grandes Marées am Havre von Saint Germain

Grandes Marées – Gezeiten am Atlantik

Dieses Phänomen gibt es auch an der Nordseeküste: Hier beträgt der Tidenhub in Cuxhaven etwa zwischen 2,54 und 3,48 Metern. Der Tidenhub an der Westküste des Cotentin kann dagegen über 12 Meter erreichen, in der Bucht des Mont-Saint-Michel beträgt er fast 15 Meter – das ist so hoch wie ein mehrstöckiges Gebäude. Es sind die größten Tidenhübe in ganz Europa, die hier beobachtet werden können.

Um auszudrücken, wie groß der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist, berechnen die Franzosen (und ich glaube, auch nur sie) den sogenannten Gezeitenkoeffizienten. Franzosen haben ein Faible für höhere Mathematik, entsprechend verwirrend ist das Ganze für den Laien. Nur so viel: Der Gezeitenkoeffizient liegt zwischen 20 und 120. 20 wäre ein Wert, bei dem es quasi keinen Unterschied zwischen Ebbe und Flut gibt. 120 ist der theoretisch größte Wert mit dem maximalen Unterschied zwischen Niedrig- und Hochwasser. Sowohl die 20, als auch die 120 sind ein rein rechnerischer Wert. Beim "Jahrhunderthochwasser" im März 2015 wurde ein Koeffizient von 119 erreicht. Das nächste Mal wird ein so hoher Koeffizient 2033 zu beobachten sein.  

Wieso sind die Gezeiten so interessant?

Die Franzosen nutzen die Grandes Marées für eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Pêche à Pied, das Fischen zu Fuß. Da sich das Meer bei Ebbe so weit zurück zieht, könnt Ihr quasi auf dem Meeresboden laufen – und im Sand und in Tümpeln Muscheln und andere Meeresfrüchte ergattern. Zum anderen sorgen die hohen Tiden dafür, dass das Wasser sehr viel schneller und auch sehr viel weiter und höher kommt. So wird zum Beispiel der Mont-Saint-Michel an bestimmten Tagen wieder zu einer Insel. Aber auch in den Havres der Westküste der Manche – etwa in Portbail, Saint-Germain-sur-Ay oder Regneville – steigt das Wasser viel höher als normal, und sie werden für kürze Zeit zu einem Teil des Meeres. In 2018 werden besonders hohe Springtiden am 2. und 3. Februar, 3. und 4. März, 12. bis 14. August, 10. bis 12. September sowie am 9. und 10. Oktober erwartet.

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Der "Volkssport" Pêche à Pied kann besonders gut zu den Grandes Marées ausgeübt werden.

Wann werden die Gezeiten gefährlich?

Die Grandes Marées sind unglaublich faszinierend – kein Franzosen kann sich dem entziehen – aber nicht ungefährlich. Vor allem, wenn Ihr zum Fischen zu Fuß unterwegs seid, solltet Ihr besondere Vorsicht walten lassen. Denn die Flut kommt sehr schnell und schneidet Euch unter Umständen den Rückweg ab. Im Frühjahr besteht außerdem die Gefahr von sehr schnell aufziehendem Seenebel, der Euch die Orientierung erschwert. Geht daher nie alleine ins Watt und vergesst das Handy nicht – ein rechtzeitig abgesetzter Notruf über die 196 hat schon vielen Menschen das Leben gerettet.

Die Küsten sind dann bedroht, wenn zusätzlich zu den Grandes-Marées ein Sturm oder Orkan aufzieht. Dann werden die Wellen sehr hoch und kommen den fragilen Küsten sehr nahe. Überflutungen, Schäden an der Strandbefestigung und an den Dünen können die Folge sein, wie bei Sturm Eleanor im Januar 2018. Auf keinen Fall solltet Ihr bei solchen Wetterlagen an exponierten Stellen dem Naturschauspiel beiwohnen. Vielerorts sind dann auch Strandpromenaden und Zufahrtsstraßen gesperrt. Achtet unbedingt auf die Sperrschilder und Anweisungen der Sicherheitskräfte. Kalender mit den genauen Gezeiten Ihres Urlaubsortes erhaltet Ihr bei der jeweiligen Tourist-Information.


*Mee(h)r wissen – alles über Gezeiten, wissenschaftlich fundiert erklärt

Ich wurde darauf hingewissen, dass meine Darstellung von Ebbe und Flut unvollständig und auch nicht ganz richtig ist. Da mein Wissen für eine korrekte wissenschaftliche Darstellung nicht ausreicht, lege ich Euch folgenden Podcast ans Herz, der Euch die unterschiedlichen Modelle erläutert und auch darlegt, wie kompliziert das in Wirklichkeit mit Ebbe und Flut ist:

Hier könnt Ihr die großen Fluten gut beobachten

An der Côte des Havres könnt Ihr die großen Fluten besonders gut beobachten.

Den größten Tidenhub Europas gibt es am Mont-Saint-Michel.

Beein druckend ist der Tidenhub auch im Havre des Städtchens Portbail.


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