Valognes – ein Stadtspaziergang

Was tun, wenn es wegen des wochenlangen Regens überall matschig oder gar überschwemmt ist? Wir haben uns dafür entschieden, einen Stadtspaziergang in Valognes zu unternehmen, das auch das Versailles der Normandie genannt wird. Auch wenn die Normannen gerne übertreiben: Valognes und seine Stadtpalais sind echt schön. Ich nehme Euch mit auf dem Rundgang durch die Stadt!

Mehrere alte Steinhäuser stehen am Fluss Merdet in Valognes
Mittelalterliche Gebäude in Valognes.

Valognes liegt im Herzen des Cotentin, circa 20 Kilometer südlich von Cherbourg und hat heute rund 6.800 Einwohner. Schon die Römer müssen am Fluss Merderet gesiedelt haben, davon zeugen bis heute die Überreste einer römischen Therme im Stadtteil Alleaume. Einst war Valognes Sitz einer herzoglichen Residenz. Wilhelm der Eroberer soll sich in seiner Jugend oft dort aufgehalten haben. Zur Festung ausgebaut wurde das Schloss aber erst während des Hundertjährigen Krieges. Mehrmals wurde die Burg belagert, bis sich schließlich Ludwig XIV. entschloss, das Gebäude abzureißen, damit es nicht in die Hände des Feindes gelangen konnte. Es war kein geringerer als Vauban, der mit dem Abriss 1689 betraut wurde. Lediglich die Wohnung des Gouverneurs und eine Kapelle blieben in der "Hauptstadt des Cotentin" erhalten. König Ludwig hatte ehrgeizige Stadtentwicklungspläne, die er jedoch nicht umsetzen konnte. Dennoch blühte Valognes im 17. und 18. Jahrhundert auf, zahlreiche Stadtpalais entstanden und brachten der Stadt den Titel "kleines Versailles" ein. Auch der Schlossplatz entwickelte sich, wurde zum Marktplatz der Viehhändler, waghalsige Artisten zeigten im Zirkus ihre Kunststücke und Ballonfahrer demonstrierten die aufregende Fahrt mit dem Luftfahrtgerät. Feste und Märkte lockten Menschen aus dem gesamten Umland an, neue Gebäude entstanden, bis im Bombenhagel im Juni 1944 Valognes von der amerikanischen Airforce dem Erdboden gleich gemacht wurde. Rund 400 Bewohner ließen im Juni 1944 ihr Leben, über 60 Prozent der einstmals stolzen Stadt waren zerstört. Der Architekt Olivier Lahalle zeichnet für den Wiederaufbau verantwortlich und änderte das Stadtbild komplett. Wie überall entstanden auch in Valognes moderne Wohnungen, die sich durch eine hohe Wohnqualität auszeichnen. Ein neues Rathaus entstand, Plätze und Straßen wurden saniert. Der Architekt  Yves-Marie Froidevaux baute die ausgebrannte Kirche Saint-Malo in der Stadtmitte wieder auf und verpasste ihr ein neues Antlitz, da die einzige gotische Kuppel Frankreichs völlig zerstört worden war.  Viele der Stadtpalais, denen Valognes seinen Ruf zu verdanken hatte, überlebten den Krieg nicht. Von einst 100 Hôtels waren nur rund 20 übrig. Trotz der Zerstörungen darf sich Valognes mit dem Label "Ville d’art et d’histoire" schmücken.

Impressionen

Ein Rundgang durch die Kernstadt von Valognes

Genug der Geschichte, wir starten, und zwar genau auf dem Platz des Schlosses, der auch heute noch Marktplatz ist. Hier findet Ihr, wenn nicht gerade freitags Markt ist, zahlreiche Parkplätze. Wir haben zunächst den Platz überquert und sind in einer kleinen Seitengasse, der Rue Alexis de Tocqueville, gelandet, in der, wie so oft in Valognes, alte Häuser und moderne Architektur verschmelzen. Dann sind wir wieder Richtung Innenstadt abgebogen und in Richtung der Kirche Saint Malo gelaufen. Auch ohne gotische Kuppel ist die Kirche ein beeindruckendes Bauwerk. An dem modernen Gebäudeteil ist eine Gedenktafel für die zivilen Opfer der alliierten Bombardements angebracht. Der Krieg, die Zerstörung und der Tod begegnen Euch auf Schritt und Tritt. Zum Beispiel nur wenige Schritte weiter auf dem neu renovierten Platz Jacques-Lemarinel mit seinem Kriegerdenkmal. Von hier aus gelangt Ihr in den kleinen Park Anne Heinis mit altem Baumbestand, Spielplätzen, ein paar Ruinen. Nehmt Euch die Zeit für einen kleinen Rundgang bevor Ihr am Merderet entlang zurückschlendert. Zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten befinden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das Hôtel de Beaumont und das Musée du Cidre. Es ist Winter und geschlossen, Grund genug noch einmal wiederzukommen, denn der Park des Hôtel de Beaumont soll wunderschön sein. Das Stadtpalais wurde zwischen 1767 und 1771 erbaut und steht heute unter Denkmalschutz. Derzeit erhält es eine Frischzellenkur – das Leben im Winter ist eine Baustelle. (Öffnungszeiten: 1. Juli bis 15. September, täglich außer Sonntagvormittag 10-12 und 14.30-18.30 Uhr; Zusätzlich finden Veranstaltungen statt, Hunde sind laut der Internetseite von Manche-Tourisme erlaubt). Das Cidre-Museum direkt gegenüber ist im Haus "Grand-Quartiers" untergebracht. Ursprünglich war es eine spätmittelalterliche Färberwerkstatt. Die Sammlung zum flüssigen Gold Cidre ist die größte der gesamten Normandie. (Öffnungszeiten 1. April bis 30. Juni, 1. bis 30. September und Herbstferien: Mittwoch bis Sonntag 14-18.15 Uhr. Juli und August täglich außer Sonntag 11-18.15 Uhr, Sonntag 14-18.15 Uhr, jeden ersten Sonntag im Monat freier Eintritt, Hunde sind laut Manche -Tourisme nicht erlaubt).

Impressionen

Atemlos durch die Stadt

Jetzt geht es immer wieder mal am Merderet entlang, manchmal durch schmale Gassen, bis Ihr schließlich vor dem Hôtel Grandval-Caligny steht. Es versprüht von außen maroden Charme. Die Stiftung "Les Printemps de Grandval-Caligny" möchte das Haus, in dem der normannische Schriftsteller  Barbey d'Aurevilly von 1872 bis 1887 lebte und schrieb, erwerben und erhalten. Schon jetzt finden immer wieder Führungen und kleinere kulturelle Veranstaltungen statt. Auf der Webseite und der Facebookseite bekommt Ihr dazu nähere Informationen. Neubauten und alte Häuser wechseln miteinander auf dem weiteren Weg ab. An einem kleinen Steinhaus versucht ein ziemlich großer Hund, über die zwei Meter hohe Mauer zu kommen. Seine Sprungkraft ist gewaltig, aber nicht groß genug. Unser Weg führt uns in den nächsten kleinen Park, den Parc des Cordelieres, der von 2009 bis 2010 errichtet wurde. Hier stand einst ein ehemaliges Handwerkerviertel mit Fayencenfabriken, Mehlmühlen und Färbereien, auch eine Klosteranlage soll es gegeben haben. Einen Steinwurf entfernt findet Ihr in der Rue du Grand Moulin weitere mittelalterliche Handwerkshäuser. Den Park könnt Ihr auch mit Hund betreten, die Skulptur des Künstlers Matthias Peter bewundern oder Euch mit einem Picknick stärken. Wir laufen noch ein bisschen kreuz und quer durch die Stadt, kommen am Hôtel Dieu aus dem Jahr 1497 vorbei, das heute ein Kulturzentrum beherbergt. Wie an vielen Stellen der Stadt befindet sich auch hier ein ehemaliger Waschplatz. Wir überqueren die Straße und laufen ein Stück parallel zu den Bahnschienen. Das Gelände ist schon fast parkartig, mit viel Bäumen und Grün zwischen dem Sportplatz und der Turnhalle. In einem Gemeinschaftsgarten ernten die Gärtner frisches Gemüse. Ein paar Schritte weiter stoßen wir auf die Four à Chaux, die ehemaligen Kalköfen. Wagt einen Blick ins Innere: Es sieht aus wie in einer Tropfsteinhöhle. Wenn Ihr Geocacher seid: Hier muss einer versteckt sein.

Impressionen

Fazit: Stadtspaziergang in Valognes, lohnt sich das?

Zurück geht es immer wieder über schmale Pfade, mal wieder am Wasser entlang, dann wieder durch pittoreske Straßen und Gassen. Überall fällt mal wieder ein Steinhaus ins Auge oder ein kleines Detail, wir kommen an einem kleinen Municipal-Campingplatz vorbei und an einer großen Schule und stehen irgendwann wieder vor dem Auto. Wir sind fast acht Kilometer durch die Stadt gelaufen und haben, weil es wirklich viel zu entdecken gibt rund drei Stunden gebraucht. Also unser Tempo war sehr gemütlich. Lohnt es sich? Auf alle Fälle! Ich war richtig geflasht von den vielen kleinen Steinhäusern und prachtvollen Villen, auch wenn so viel durch den Krieg zerstört wurde. Googelt mal nach alten Ansichten der Stadt, um zu sehen, wie wunderschön die Stadt war.

Da es immer wieder Grünflächen gibt oder kleine Trampelpfade, ist für genügend Abwechslung für die Collies gesorgt. Die waren viel am Schnüffeln. Zudem waren an diesem Sonntagmorgen viele Menschen mit ihren Hunden unterwegs. Kotbeutelspender findet Ihr übrigens reichlich, leider nicht so viele Mülleimer, weswegen an vielen Stellen der Stadt gefüllte Tütchen arglos weggeworfen werden. Gut ist, dass Ihr trockenen Fußes durchkommt und die Wanderung auch für Schlechtwettertage geeignet ist. Wir kommen aber trotzdem nochmal bei gutem Wetter wieder, schon allein der Fotos wegen (die Qualität dieser Fotos ist aufgrund des schlechten Wetters nicht zufriedenstellend).

Hinweis: Wir haben diesen Stadtspaziergang am 17. November 2019 gemacht, der Artikel ging am 18. November 2019 online. Stand der Infos: 18. November 2019.

Der Stadtspaziergang auf der interaktiven Karte

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