Fresville – Herrenhäuser, Sümpfe und Fossilien

Fresville ist eine kleine Gemeinde nördlich von Sainte-Mère-Église. Angelockt hat mich die Wanderung hauptsächlich wegen der ehemaligen Kiesgrube. Dabei gibt es in der Landschaft noch mehr zu sehen, eine große Anzahl Herrenhäuser zum Beispiel, viel ländliches Idyll und den Luftschiffhangar in Écausseville. Bis auf zwei matschige Stolperstücke ist die 13 Kilometer lange Wanderung einfach zu begehen.

Ein Steinhaus auf der Halbinsel Cotentin in Fresville mit blauen Fensterläden
Fresville ist ein typisches Dorf des Cotentin mit alten Steinhäusern.

Fresville – ein Landidyll

Ein bisschen wirkt Fresville, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Ein netter, kleiner Ort mit einem etwas zu groß geratenen Rathaus. Eine Landgemeinde wie so viele in der Normandie. Hinter jedem zweiten Hoftor wartet ein Hund entweder schwanzwedelnd oder laut bellend. Meist ist es sogar mehr als einer. Eine imposante Kirche und laut Wikipedia 365 Einwohner. Ein bisschen wird die Ruhe durch die RN auf der einen Seite und die Bahnlinie nach Cherbourg auf der anderen Seite gestört. Aber wirklich nur ein bisschen – auf der Wanderung bekommt Ihr von beiden Verkehrsadern nur wenig mit. Die Wanderung führt Euch quer durch die Felder durch verschiedene kleine Weiler, die sich hier in die Plains schmiegen. Am besten parken könnt Ihr direkt am Rathaus. Den Einstieg in den Wanderweg haben die Schildermacher gut versteckt, er liegt am nordwestlichen Ausgang des Rathausvorplatzes, quasi in der Verlängerung der Straße, die von Sainte-Mère-Église kommt. Danach ist der Weg gut mit gelben Balken gekennzeichnet.

Quer durch die Felder

Ein Hangar aus dem Ersten Weltkrieg in der Normandie, der für Luftschiffe gebaut wurde
Der Hangar in Écausseville ist ein beeindruckendes Gebäude.

Kaum habt Ihr den Weiler verlassen, taucht vor Euch der Hangar von Écausseville am Horizont auf. Das Gebäude ist beeindruckend groß, und so müsst Ihr noch ein ganzes Stück laufen, bis Ihr wirklich vis-à-vis seid. Der Hangar ist 150 Meter lang, 40 Meter breit und 30 Meter hoch. Errichtet wurde er bereits im Ersten Weltkrieg als Luftschiffgarage. Mit der Luftschiffunterstützung sollten alliierte Flottenverbände vor deutschen U-Booten geschützt werden. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Deutschen die Base besetzt und nutzten den Hangar zur Einlagerung von Material. Die US-Truppen nahmen die Stellung am 10. Juni während der Schlacht um Montebourg ein. Der Hangar war ein wichtiges Bollwerk beim weiteren Vorrücken der US-Armee, da die deutschen Truppen heftige Gegenwehr leisteten. Erst am 19. Juni konnten die Alliierten die schwer zerstörte Stadt Montebourg befreien. Heute ist der Hangar ein "Monument Historique" und kann – auch zusammen mit Hund – besichtigt werden. Im Juli und August sind die "Aéroplume" die Sensation: Mit den Minizepplins könnt Ihr innerhalb des Hangars in die Luft steigen und umherfliegen. Ziemlich cool, oder?

Am See und um den See drum rum

Ein paar Stiefmütterchen gedeihen an einer Wasserpumpe im Weile La Vallée bei Fresville auf dem Cotentin in der Normandie
Frühlingsimpression in La Vallée

Der weitere Weg führt Euch nach La Vallée. Schaut beim letzten Haus auf der rechten Seite mal in den Garten – mit etwas Glück könnt Ihr hier Pfauen entdecken. Nur ein paar hundert Schritte weiter kommt Ihr zu den beiden Kiesgruben. Der offizielle Wanderweg führt Euch hier links rum, aber der Umweg rund um die Géosite ist nicht allzu groß, aber interessant. Die Seen sind ein beliebtes Angelgebiet und ein geologischer Verein hat hier seine Heimat. Im Gestein rund um den See verbergen sich nämliche Fossilien und Mineralien. Ein kleiner Lehrpfad vermittelt wichtige Informationen. Der geologische Verein gibt sein Wissen zudem an vier Samstagen im Jahr an interessierte Besucher weiter. Im Juli und August ist die Ausstellung des Clubs am Samstagnachmittag geöffnet. Es ist wirklich ein total interessanter Platz – die Hunde fanden viel zu schnüffeln – aber leider lassen die Müllberge rund um die Mülleimer auch den Schluss zu, dass hier nicht nur gefischt, sondern auch kräftig gefeiert wird. An manchen Stellen weist der Zustand des Weges um den See darauf hin, dass hier ein paar Jungs mit Crossmaschinen ihren Spaß im Schlamm hatten. An einer Stelle haben die Collies und ich uns mächtig mit ockerfarbenem Lehm eingesaut. Der Weg führt zum "Village de la carrière", in dem ein Teil der Arbeiter des Steinbruchs untergebracht war. Danach gelangt Ihr auf den regulären Wanderweg zurück.

Impressionen rund um die Géosite

Von Manoir zu Manoir

Ein normannischer Hof mit Autos, Wasserpumpe und Federvieh
Hühner und Gänse – die Collies sind begeistert.

Ein Stück lauft Ihr durch Magneville, einem echten Straßendorf, bis kurz vors Manoir de Magneville. Werft einen Blick auf den Hof des Herrenhauses und auch vom gegenüberliegenden Gehöft. Das Manoir de Magneville ist eine kleine Farm und eine Chambres d'hôtes, doch leider sind Hunde hier nicht erlaubt. Wir kehren also auf unseren Wanderweg zurück. Dieser quert jetzt einen Kuhumtrieb zwischen zwei Weiden. Das bedeutet: Ihr müsst unter zwei Stricken durchkrabbeln, und wenn Euch ähnliches Glück wie uns hold ist, versinkt Ihr zwischendrin wieder im Schlamm – oder Kuhfladen. Es ist wirklich nur ein Ministück von vier bis fünf Metern, aber die haben es echt in sich. Nur ein schlammiges Gassi ist ein gutes Gassi, so zumindest Idgies Meinung, die Ben und ich nur bedingt teilen. Für die kleine Rutschpartie werdet Ihr aber reich belohnt, denn schon bald reiht sich quasi Manoir an Herrenhaus. Mitten in der Idylle, wenn Ihr denkt, einen der friedlichsten Plätze der Welt – ein Rosamunde-Pilcher-Idyll in der Normandie quasi – entdeckt zu haben, holt Euch ein Monument zurück ins Jahr 1944. Es wurde zu Erinnerung an einen kleinen Trupp amerikanischer Fallschirmjäger errichtet, der hier am 8. Juni 1944 von den Deutschen mit einem MG 42 niedergemäht wurde. Nun folgt der Weg ein Stück durch die Marais. Auf den ersten Blick nur wenig spektakulär, bis die ersten Wasservögel aus den Entwässerungsgräben aufsteigen. Und die Weiden, die rechts und links den Weg säumen, müssen zum Teil uralt sein!

Bildimpressionen

Endspurt nach Fresville

Ich merke es: Der kleine Collie hat eigentlich genug. Während Idgie fröhlich ausschreitet und immer noch für Quatsch zu haben ist, trödelt Ben den letzten Aufstieg nach Fresville einfach nur etwas lustlos hinter uns her. Noch ein paar hübsche Häuser im Ort selbst bestaunen und durch eine enge Gasse und über den Friedhof zurück zum Auto. Im Park rund um die Kirche Saint-Martin steht zudem noch die Kapelle Sainte-Sulpice und wie so oft in Frankreich findet Ihr im vorderen Teil des Friedhofs eine monumentale Eibe, die hier bestimmt schon seit Jahrhunderten steht. Ich bin jedesmal von diesen mystischen Bäumen fasziniert.

Eine alte normannische Kirche und der Friedhof in Fresville auf dem Cotentin.
Die Kirche Saint-Martin in Fresville.

Wanderung rund um Fresville: Mein Fazit

 

 

 

Zugegeben, besonders spektakulär ist die Landschaft in den Plains von Fresville nicht, nimmt man die Géosite mal außen vor. Aber es gibt drum herum viel zu gucken und vor allem die vielen Manoirs haben mich echt begeistert. Der Weg ist leicht zu begehen und wir haben drei Stunden und 15 Minuten gebraucht. Möglicherweise sind im Sommer die beiden Schlammstellen so weit ausgetrocknet, dass Ihr trockenen Fußes und bequem durchkommt. Mit Hundebuggy wäre ich aber trotzdem zurückhaltend, denn sowohl am See als auch auf der Kuhweide müsstet Ihr diesen ein paar Meter tragen, wenn es schlammig sein sollte. Bei Trockenheit ist der Weg fast perfekt, wenn auch nicht wirklich barrierefrei. Der Weg ist weitgehend gut ausgeschildert mit gelben Balken. An vielen Stellen lauft Ihr über Feldwege, sodass auch Freilauf möglich ist. Denkt unbedingt daran, Wasser für Euch und Eure Hunde mitzunehmen, denn außer am See werden Eure Vierbeiner nur wenig Erfrischung bekommen. Das Wasser im See war im Frühjahr klar und sauber. Es standen auch nirgends Schilder, dass das Baden verboten sei und Hundeverbotsschilder konnte ich auch keine entdecken. Schatten gibt es auf der Wegstrecke nur wenig, daher müsst Ihr zu einer warmen Jahreszeit entsprechende Vorkehrungen treffen (Sonnenschutz und lieber morgens als nachmittags loslaufen).  Wenn Ihr mit Karte laufen wollt, braucht Ihr die blaue Wanderkarte von IGN 1311OT.  Wir waren am Donnerstag, 28. März 2019 unterwegs und der Artikel wurde am 4. April veröffentlicht.

Die Wanderung in der Übersicht

GPS-File zum Download

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Wanderung in Fresville
Wanderung in Fresville auf dem Cotentin
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