Stadtspaziergänge in Cherbourg mit Hund – Schnüffeln in XXL

Cherbourg und wir – das ist eine ganz besondere Beziehung. Denn während unserer ersten gemeinsamen Normandiereise ging einer unserer Ausflüge in die Hafenstadt auf dem Cotentin. An einem Tag, an dem es so stürmte, dass es uns auf dem Weg fast von der Uferstraße gespült hätte. An einem Tag, an dem es so regnete, dass wir in Cherbourg von Café zu Café hasteten und schließlich in einem großen Kaufhaus uns mit neuen Klamotten, namentlich einer warmen Jacke in XXL eindeckten. Also zumindest ich. Und das im August. Und trotzdem, oder genau deshalb, ist dieser Tag für alle Zeiten in meinem Herzen eingraviert und hat mit zu meiner Cotentin-Liebe beigetragen.

Napoleon-Statue in Cherbourg in der Normandie
Die Napoleon-Statue ist eines der Wahrzeichen der Stadt Cherbourg.

Vom Sterben und Leben einer normannischen Stadt

Das war 2003. Die Jacke gibt es immer noch, ist aber mittlerweile so zerschlissen, dass ich sie außerhalb unseres Gartens nicht mehr tragen kann. Ihre besten Zeiten hat sie mehr als hinter sich. Ähnliches gibt es vielleicht auch von Cherbourg zu sagen, denn wann immer wir in den letzten Jahren dort waren, es fehlte immer mehr. Das Kaufhaus – geschlossen. Die Cafés, Restaurants – verrammelt. Der Leerstand in der Fußgängerzone – gigantisch. Die a vendre Schilder – unübersehbar. Cherbourg schien langsam, aber sicher zu sterben. Nicht zuletzt der großen Einkaufsmeilen vor der Stadt wegen, wo sich ein Supermarkt an einen Baumarkt, an ein Modegeschäft, einen Möbelladen und ein Kaufhaus drängelt, dicht an dicht. Belebt schien in Cherbourg nur noch der Hafen zu sein, ansonsten hieß es in jeder Gasse bonjour tristesse. Aus einer Laune heraus sind wir im Januar 2019 nach längerer Pause mal wieder in Cherbourg gewesen ("wir sollten mal wieder..."). Und siehe da, es macht den Eindruck, als sei die Kehrtwende geschafft. Viele der einst leeren Schaufenster beherbergen wieder einen Laden mit lokalen Produkten oder Boutiquen und Andenkenläden. Einige ganz neue Kneipen sind dazu gekommen und trotz Jahreszeit und usseligem Wetter haben wir sogar Menschen auf der Straße angetroffen. Sicher, eine geschleckte Touristen-Sehenswürdigkeit wird Cherbourg nicht mehr werden. Aber mittlerweile gesellt sich zum maroden Charme auch wieder maritimer Flair in der Stadt.

Wissenswertes über Cherbourg

Cherbourg ist eine sehr alte Stadt. Bereits im 4. Jahrhundert errichteten die Römer hier ein Castrum, das wohl Coriallo oder Coriovallo hieß. Die Wikinger verpassten der Stadt einen neuen Namen und das Schloss von Cherbourg wurde 1026 in einer Urkunde als eines der bedeutensten genannt. Schon immer wurde die Stadt von kriegerischen Auseinandersetzungen heimgesucht. Deswegen wurde der Hafen zu einer gigantischen Festungsanlage ausgebaut. Die Rade de Cherbourg galt lange Zeit als die größte künstliche Reede der Welt. Der Hafen umfasst heute Handels-, Fischerei-, Fähr- und Jachthafen. Zudem landen seit 2007 Kreuzfahrtschiffe in Cherbourg an. Bedeutend ist zudem der Fährverkehr nach Irland. Zwischen Cherbourg und Irland soll für Irish Ferrys ab März 2019 das größte Fährschiff der Welt pendeln. Schifffahrt und Marine waren und sind wichtig für die Stadt. Die Titanic startete von hier aus zur ihrer Jungfernfahrt. Die Vedettes de Cherbourg, die Schnellboote von Cherbourg, gingen ebenfalls in die Geschichte ein. In einer Nacht- und Nebelaktion verließen 1970 die Kriegsschiffe den Hafen von Cherbourg, um wenig später in Isreal wieder aufzutauchen – trotz verhängtem Waffenembargo. Der israelische Geheimdienst hatte das Husarenstück ersonnen, hohe französische Regierungsmitglieder wahrscheinlich mitgespielt, Cherbourg in ganz Frankreich einen zweifelhaften Ruhm erlangt.

Den meisten Franzosen ist Cherbourg außerdem wegen des Films Les Parapluies de Cherbourg (Die Regenschirme von Cherbourg) bis heute ein Begriff. Der Musicalfilm war ein echter Gassenfeger – vor allem wegen Catherine Deneuve. Ihr könnt bis heute im Stadtbild Reminiszenzen an die cineastische Hommage für die regnerische Stadt auf dem Cotentin finden. Nur nebenbei: In der Tat regnet es in Cherbourg öfter als auf dem restlichen Cotentin (und eigentlich immer, wenn wir war da sind). Die regnerischste Stadt Frankreichs soll trotzdem Brest in der Bretagne sein.

Die Festungsstadt Cherbourg war im Zweiten Weltkrieg von wichtiger strategischer Bedeutung. Die nationalsozialistischen Besatzer bauten die Stadt zur Festung aus. Während andere Städte im Juni 1944  in der Normandie von den Alliierten vergleichsweise einfach eingenommen werden konnten, stießen die Truppen in Cherbourg auf erbitterten Widerstand der deutschen Truppen. Erst am 27. Juni 1944 gelang daher die Befreiung der Hafenstadt. Der Hafen von Cherbourg war von den Deutschen nahezu vollständig zerstört worden. Nach der Instandsetzung in den folgenden Wochen und Monaten wurde Cherbourg einer der wichtigsten Nachschubhäfen für die vorrückenden alliierten Truppen.

Heute heißt die Stadt Cherbourg-en-Cotentin. Neben der Kernstadt Cherbourg umfasst sie die ehemaligen Gemeinden Octeville, Équeurdreville-Hainneville, La Glacerie, Querqueville und Tourlaville. Die neue Stadt entstand durch Zusammenschluss am 1. Januar 2016 und hat heute rund 81.000 Einwohner. Damit ist Cherbourg-en-Cotentin die viertgrößte Stadt der Normandie.

Rundgang in Cherbourg – das gibt es zu entdecken

Der Jardin Emmanual Liais in Cherbourg auf der Halbinsel Cotentin in der Normandie
Der Jardin Emmanual Liais ist eine unfassbar schöne Oase mitten in der Stadt. Selbst im Winter ist es hier total grün – das Bild entstand im Januar.

Ein Rundgang durch die Innenstadt von Cherbourg lohnt durchaus, und auch am Jachthafen oder am Fischereihafen könnt Ihr mit dem Hund entlang schlendern. Zum Teil gibt es bei der Uferpromenade sogar Grünflächen und (erstaunlicherweise) Kotbeutelspender. Empfehlenswert sind Abstecher auf die Befestigungsanlagen – hier könnt Ihr auf der Mauer einfach ein Stück ins Meer rein laufen. Die Innenstadt von Cherbourg ist relativ kompakt und besteht aus einer Fußgängerzone mit mehreren Straßenzügen und einigen Gässchen und Hinterhöfen. Beeindruckend ist der Platz rund ums Theater. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg nicht in Mitleidenschaft gezogen und spiegelt etwas vom Glanz Cherbourgs in früheren Zeiten wider. Ein Kleinod mitten zwischen den Häuserschluchten ist der Jardin Emmanual Liais. Selbst im Winter ist es hier total grün und manche Blumen blühen sogar im Januar. Allerdings dürft Ihr den Park (und das angeschlossene Museum) nicht mit Hund betreten. Da das Gelände sehr überschaubar ist, könntet Ihr Euch aber abwechseln (sofern Ihr zu Zweit unterwegs seid). Ansonsten lohnt es sich absolut, in die Gassen zu schlendern, in denen weniger los ist. Oder sich durch schmale Durchgänge in einen der Hinterhöfe zu wagen. Es wartet wirklich so manches echtes Kleinod auf Euch, das Ihr in Cherbourg so nicht erwartet hättet. Und da die Innenstadt mittlerweile weniger trist ist als noch vor ein paar Jahren, werden wir sicher bald wieder auf Entdeckungsreise gehen.

Bildimpressionen aus Cherbourgs Altstadt

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Cherbourg

Neben der Innenstadt hat Cherbourg einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, die zu den wichtigsten des Cotentin zählen. Nur leider: Hunde müssen draußen bleiben. Deshalb hier nur eine Auflistung dessen, was Ihr sehen solltet. Unter Umständen sind ja Eure Interessen so unterschiedlich gelagert, dass Ihr den Tag getrennt verbringt und eine/r eine Tour durch das Val de Saire oder über die Route des Caps unternimmt, während der/die andere sich in die Museumswelt stürzt. Das solltet Ihr nicht verpassen:

  • Die Cité de la mer ist ein großes Museum, das Euch alles nahebringt, was mit Meer, Unterwasserwelt und Seefahrt zu tun hat. Es gibt Meeresaquarien, ein Atom-U-Boot und die legendäre Titanic-Ausstellung. Derzeit erhält das Museum ein weiteres Unterwasser-Aquarium. Eröffnung wird voraussichtlich im April 2019 sein. Für den Besuch solltet Ihr rund vier Stunden einplanen.
  • Das Musée Thomas Henry widmet sich hauptsächlich den bildenden Künstlern der Normandie und des Cotentin. Die Werke reichen vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Einen Schwerpunkt bildet das Werk von Jean-François Millet, der in Gruchy geboren wurde und in Cherbourg Malerei studierte.
  • Das Musée de la Libération widmet sich ganz der Besatzung und Befreiung Cherbourgs. Es ist im Vorfeld des 75-jährigen Jubiläums des D-Days für Renovierungsarbeiten geschlossen und öffnet mit einer neuen Sodnerausstellung wieder am 4. Mai 2019.

Apropos: Schiffchen guggen – kleine Segler, große Pötte in Cherbourg

Wenn Ihr Euch für Schiffe und Seefahrt interssiert, werdet Ihr von den Häfen in Cherbourg nicht genug kriegen können. Es ist immer Bewegung auf dem Wasser, elegante Jachten sind ebenso unterwegs wie Fischerboote. Seit 2007 landen bei der Cité de la mer Kreuzfahrtschiffe an, die mittlerweile der Stadt 70.000 Besucher bescheren. 2019 sind folgende Kreuzfahrtschiffe zu Gast:

Queen Mary zu Gast im Hafen von Cherbourg
Wie riesig das Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 ist, wird anhand der Dimensionen deutlich: Die Cité de la mer ist ein relativ großes Gebäude und wirkt neben der Königin der Weltmeere wie ein Wohnhaus.
Datum, Ankunftszeit, Abfahrtszeit Schiff
 14. April, 8 Uhr // 19 Uhr  Aida Diva
21. April, 7 Uhr // 18 Uhr Britannia
24. April, 7 Uhr // 19 Uhr Amsterdam (Quai de Normandie)
27. April, 8 Uhr // 20 Uhr Rotterdam
30. April, 7 Uhr   //  18.30 Zenith
1. Mai, 18 Uhr // 19 Uhr Le Champlain
2. Mai, 8 Uhr // 19 Uhr Azura
2. Mai, 17 Uhr // 19 Uhr Ocean Diamond (Quai de Normandie)
3. Mai, 8 Uhr  // 20 Uhr Nieuw Statendam
3. Mai, 7 Uhr // 19 Uhr Zuiderdam (Quai de Normandie)
5. Mai, 8 Uhr // 18 Uhr Azura
8. Mai, 8 Uhr // 19 Uhr Costa Mediterrana
11. Mai, 8 Uhr // 22 Uhr Star Breeze (Quai de Normandie)
12. Mai, 8 Uhr // 18 Uhr Costa Magica
14. Mai, 7 Uhr // 20 Uhr Marella Explorer
24. Mai, 7 Uhr // 17 Uhr Seaborn Ovation
25. Mai, 7 Uhr //18 Uhr Arcadia
26. Mai, 8 Uhr // 18 Uhr Britannia
26. Mai, 8 Uhr // 20 Uhr Zuiderdam (Quai de Normandie)
27. Mai, 10 Uhr // 19 Uhr Seven Seas Navigator
4. Juni, 7.30 Uhr // 9.30 Uhr Le Boreal
5. Juni, 5 Uhr // 6. Juni 18 Uhr Seaborn Ovation (Quai de Normandie)
5. Juni, 8 Uhr // 22 Uhr Azamara Journey
5. Juni, 8 Uhr // 18 Uhr Berlin
6. Juni, 6 Uhr // 7. Juni, 18 Ur Seven Seas Navigator
7. Juni, 5.30 Uhr // 17.30 Uhr Nautica (Quai de Normandie)
8. Juni, 17 Uhr // 19 Uhr Le Boreal (Quai de France)
8. Juni, 7 Uhr // 18 Uhr Sea Cloud II (Quai de France)
29. Juni, 6 Uhr // 19 Uhr Queen Victoria
14. Juli, 7 Uhr // 18 Uhr Arcadia
16. Juli, 7 Uhr // 19 Uhr Celebrity Reflexion
22. Juli, 7 Uhr // 18 Uhr Ventura
24. August, 7 Uhr // 18 Uhr Ventura
30. August, 12 Uhr // 20 Uhr Explorer of the Seas
1. September, 8 Uhr // 17 Uhr Independence of the Seas
3. September, 8 Uhr // 18 Uhr Costa Favolosa
3. September, 7 Uhr // 18 Uhr Berlin (Quai de Normandie)
11. September, 9 Uhr // 21 Uhr Zenith
24. September, 9 Uhr // 22 Uhr Silver Whisper
26. September, 12.30 Uhr // 22.30 Uhr Astor
27. September, 12 Uhr // 22 Uhr Star Breeze
4. Oktober, 8 Uhr // 18 Uhr Seaborn Ovation (Quai de Normandie)
6. Oktober, 8 Uhr // 17 Uhr Spirit of Discovery (neues Schiff)
26. Oktober, 7 Uhr // 18 Uhr Ventura
2. November, 9 Uhr // 19 Uhr Ventura
21. November,  8 Uhr // 18 Uhr Aurora
20. Dezember, 8.30 Uhr // 22 Uhr Crystal Symphony
Der Jachthafen in Cherbourg-en-Cotentin der in Normandie
Der Jachthafen in Cherbourg ist gigantisch.

Ich persönlich finde ja Kreuzfahrten die sinnloseste und fragwürdigste Urlaubsform überhaupt. Doch steigende Fahrgastzahlen auf Kreuzfahrtschiffen und die zahlreichen Schaulustigen, die sich regelmäßig im Cherbourger Hafen einfinden, sprechen eine beredte Sprache: Die majestätischen Schiffe faszinieren einfach sehr viele Menschen (Feinstaub und Over-Tourisme hin oder her). Und gar nicht mal so wenige Menschen in meinem Umfeld lieben es, irgendwo auf einer Bank oder Mauer zu sitzen, und ein- und auslaufenden Schiffen zuzusehen. Lasst Euch gesagt sein: In Cherbourg seid Ihr wahrlich gut aufgehoben. Wenn Ihr schöne Fotos von den Kreuzfahrtschiffen machen wollt, empfehle ich Euch, einen guten Spot an der Hafeneinfahrt zu suchen und das Schiff bei der Ankunft oder beim Verlassen des Hafens zu fotografieren. Ist das Schiff am Quai, ist alles hermetisch abgeriegelt und es ist kein wirklich  schönes Foto mehr möglich (so war es jedenfalls, als die Queen Mary 2017 zu Gast war). Vereinzelt können die Schiffe auch von innen besichtigt werden. Anschauen könnt Ihr auf alle Fälle die Fregatte der Freiheit,  l‘Hermione. Sie kommt am 4. Mai gegen 11 Uhr in den Hafen und kann am 4., 5. und 6. Mai besichtigt werden.

Mein Fazit: Cherbourg mit Hund – lohnt sich das?

Ganz ehrlich: Ich bin immer noch hin- und hergerissen. Cherbourg ist keine Schönheit. Aber ich liebe den maroden Charme der Stadt und mag einfach Häfen sehr gerne – da kommen wahrscheinlich die norddeutschen Gene bei mir durch. Allerdings: Wirklich hundefreundlich ist Cherbourg nicht. In keiner anderen französischen Stadt habe ich bislang so wenig Menschen mit Hund gesehen. In die tollsten Sehenswürdigkeiten dürft Ihr mit Hund nicht rein und müsst Euch ein Alternativprogramm überlegen.  Die Collies fanden die Gassen der Innenstadt trotzdem mörderspannend und waren permanent am Schüffeln und hinterher auch rechtschaffen müde.  Abseits der Hauptrouten könnt Ihr in Cherbourg wirklich pittoreske Ecken entdecken. Und da es  wieder nette Läden in der Innenstadt gibt, lohnt auch eine Shopping-Tour. Vergesst aber die Regenschirme nicht :-) .

Abschließender Hinweis zum Parken in der Stadt

Eine gleichermaßen gute Ausgangslage für Hafen und Innenstadt habt Ihr auf dem Parkplatz "Parking du Grand Perroquet" direkt bei der Napoleon-Statue. Der Parkplatz ist kostenfrei und so groß, dass sich fast immer ein Platz auftut. Wohnmobilplätze findet Ihr bei der Cité de la Mer.
Artikel online gestellt im Januar 2019.

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