Saint-Patrice-de-Claids – Wallhecken, Weiden und Wald

Im kleinen kommunalen Wald der Gemeinde Saint-Patrice-de-Claids irgendwo im Nirgendwo, einige Kilometer nördlich von Périers, befindet sich ein kleiner Rundweg, den wir schon öfter für eine entspannte Gassirunde genutzt haben. Rund um den verschlafenen Weiler mit seinen nur noch 165 Einwohnern gibt es aber auch zwei Wanderwege quer durch Weideland und Bocage. Sie können jeweils als kleine Wanderung mit circa neun beziehungsweise zehn Kilometern begangen werden oder zu einer größeren Wanderung verbunden werden.

Wanderung mit Hindernissen

Ich gebe zu: Mit beiden Wanderwegen verbindet mich eine kleine Hassliebe. Auf dem ersten Streckenabschnitt verbrachten wir sehr viel Zeit damit, die gelben Markierungen zu finden. Sie waren zum Teil einfach nicht vorhanden. Oder zugewuchert. An einer Stelle kam ein freundlicher Anwohner und riss mal kurzerhand den Efeu von der "Balisage", sodass der Abbiegehinweis nun wieder für alle sichtbar sein dürfte. Auf dem zweiten Abschnitt liess uns das GPS im Wald im Stich und ein Stück des Weges ging durch meterhohes Gras und Gestrüpp – ein Terrain, das ich schon allein wegen der Zecken lieber meide. Und des Wildes wegen. Ein Reh haben wir dort von seinem Vormittagsschlaf aufgeschreckt – sorry, wir sind wirklich fast drüber gestolpert. Von diesen Einschränkungen einmal abgesehen, ist das Terrain sehr abwechslungsreich und auch gut zu begehen. Im Winter könnte es allerdings an manchen Stellen feucht werden.

Saint Patrice I – Einblicke in die Baugeschichte des Cotentin

Für die erste Runde starten wir an der Kirche von

Saint-Patrice-de-Claids, genauer gesagt auf dem großen Parkplatz am Ortseingang. Von hier führt der Wanderweg an einem großen Gutshaus vorbei in die Wiesen und Felder. Weiden wechseln sich ab mit Getreide- und Maisfeldern und an manchen Stellen zeugt ein stechender Maggie-Geruch davon, dass sich auch die Wildschweine in diesem Garten Eden auf dem ländlichen Cotentin sauwohl fühlen. Immer wieder säumen kleine und große Gehöfte unseren Weg. Nicht wenige der Scheunen und Wohnhäuser sind hier noch in der traditionellen Lehmbauweise gebaut. Diese Gebäude, oft auch noch mit einem Reetdach gedeckt, waren typisch für die Marais, die Sümpfe zwischen Meer und Land. Auf diesem Stück der Wanderung können Sie einige davon entdecken, halb zerfallene, gut erhaltene, manche gar zu verkaufen.

Ein Hoch auf das Landleben

Ansonsten bietet der Wegabschnitt alles, was das Landleben ausmacht – unendliche Ruhe zum Beispiel, die lediglich von unermüdlichen Landwirten und dem Postboten durchbrochen wird. Dicke Katzen sonnen sich vor den Häusern, Wein- und Bierflaschen zeugen von einer durchzechten Nacht, Kühe, Pferde und Schafe kommen neugierig an den Zaun getrabt und über allem hängt der süße Duft reifer Äpfel. Der Weg führt zu gleichen Anteilen über Schotter-, Feldwege und Straßen und auch einige wirklich einsame und schmale Trampelpfade durchs Bocage-Labyrinth sind dabei. Kurz bevor es wieder zum Parkplatz zurück geht, können Sie sich entscheiden, ob es eine große oder kleine Runde werden soll. Links geht es zurück zum Parkplatz, rechts zum Wanderparkplatz am Wald, wo die zweite Runde startet. Ohne die Umwege wegen fehlender Markierungen haben wir für das erste Stück zweieinhalb Stunden gebraucht.


Der Wanderung erster Teil bei GPSies

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Saint Patrice II – Wald, Wiesen und Wild

Wenn Sie nur den zweiten Teil der Wanderung in Angriff nehmen möchten, können Sie das Fahrzeug auch direkt auf dem kleinen Waldparkplatz abstellen. Von dort aus führen Sie wiederum die gelben Markierungen über den Rundkurs – auf diesem Teil der Strecke sogar zuverlässig. Gleich zu Beginn laufen Sie ein Stück durch den kommunalen Forst von Saint Patrice. Direkt am Eingang des Waldes macht ein Schild darauf aufmerksam, dass Donnerstag, Sonntag und an Feiertagen gejagt wird – an diesen Tagen ist während der Jagdsaison von Ende September bis Ende Februar das Betreten des Waldes mit Vorsicht zu genießen. Das kleine Waldstück ist wunderschön, mit hohem Farn, Heide, sumpfigen Abschnitten und im Herbst mit Massen von Maroni und Pilzen. Der Tisch der Natur ist hier für Mensch und Tier reich gedeckt. Der weitere Weg ist recht abwechslungsreich – kleine Weiler, Weideland, immer wieder ein Stück Wald, Heide oder die imposanten Wallhecken begleiten die Wanderer quer durch die ländlichen Marais.

Die Landes – eine verwunschene Landschaft

Lange Zeit galten die "Landes" als Rückzugsort finsterer und fieser Gestalten, ja, sogar spuken sollte es hier. Auch der Schriftsteller Jules Barbey d’Aurevilly, der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere Romane in den Heidelandschaften rund um Lessay angesiedelt hat, war der Ansicht, dass die normannische Wüste eine ganz schreckliche Gegend sei. Dabei sind die Heiden rund um Lessay zwar nicht Rückzugsort von Banditen und Gespenstern, sondern einer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten.

Wanderung Saint-Patrice-de-Claids

Orchideen sind hier genauso zu finden wie fleischfressende Pflanzen. Libellen, Schmetterlinge, Singvögel und viele Reptilienarten fühlen sich wohl. Nur mit einem hat der Literat bis heute recht: Menschen begegnet man nur wenigen, bellende Hofhunde zeugen davon, dass die kleinen Dörfer an der Wegstrecke wirklich bewohnt sind. Die D 24, die den Cotentin an dieser Stelle von Nord nach Süd durchschneidet, wirft einen dann kurzfristig in die Zivilisation des 21. Jahrhunderts zurück. Die Straße muss zweimal überquert werden – entsprechende Aufmerksamkeit ist der schnurgeraden Rennstrecke wegen durchaus angebracht. Das zweite Stück dieser Wanderung im Hinterland des Cotentin ist noch abwechslungsreicher als Teil I und bis auf das wild überwucherte Stück zwischen le Lieu Neuf und Saint-Patrice ist der Weg auch wirklich bequem zu begehen; wir haben circa drei Stunden dafür gebraucht.


Der Tour zweiter Teil bei GPSies

Impressionen