Gesundheitsgefahren für Hunde in der Normandie – Abwehr und Erste Hilfe

Salzwasser geschluckt, Zecke festgebissen? Auch in der Normandie lauern Gefahren für den Hund, bekannte und auch unbekannte. "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" heißt auch hier die Devise. Hier bekommen Sie einen Überblick über alle mir bekannten Gesundheitsgefahren für Hunde. Achtung: Ich bin kein Tierarzt. Ich habe die Informationen sorgfältig recherchiert – trotzdem kann und will dieser Artikel keine tierärztliche Behandlung oder Beratung ersetzen!

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Ihre Hunde können in der Normandie einen unbeschwerten Urlaub genießen. Dennoch sollten Sie einige Dinge beachten.

Vektorübertragene Krankheiten – mehr als nur ein juckender Stich

Ein Vektor ist laut Definition ein lebender Orgnismus, der eine Krankheit auf einen Menschen oder auch ein Tier überträgt. Diese Vektoren sind meist klein und gemein: Flöhe, Zecken, Mücken. Bekannte Krankheiten, die durch einen solchen "Reisenden" übertragen werden, sind zum Beispiel die Pest oder auch die Malaria. Aber auch hier und heute sind vektorübertragene Krankheiten gefährlich – auch für unsere Hunde.

Zecken – fiese und gefährliche Plagegeister

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Zecken gibt es auch in der Normandie. Foto: Meli1670/pixabay

Zecken gibt es auch in der Normandie. Sie lauern bereits ab Februar im hohen Gras und in Büschen. Überall, wo es Wild gibt – und das gibt es hier reichlich – sind auch Zecken vorhanden.

Gefahren für den Hund: Zecken können Borreliose, Anaplasmose, Babesiose und Ehrlichiose übertragen, laut Informationsseite des Vereins Parasitus Ex auch in der Normandie.

Abwehrmaßnahmen: Hund mit Spot-On oder Protectorhalsband schützen, Hund nach dem Gassi nach Zecken absuchen oder das Fell mit einem Flohkamm durchkämmen. Viele Hundehalter haben auch mit Kokosöl gute Erfahrungen gemacht. Das hilft allerdings nicht gegen Sandmücken und andere Vektoren. Es gibt einen Impfstoff gegen Borreliose. Gegen Babeiose ist ebenfalls ein Impfstoff vorhanden (Pirodog), der aber in Österreich und Deutschland nicht registriert ist.

Sandmücken – kleine Flugkünstler mit tödlichem Potential

Sandmücken kommen vor allem im Süden Frankreichs vor, aber auch in etwas nördlicheren Breitengarden sind sie mittlerweile vertreten.

Gefahren für den Hund: Sandmücken können Leishmaniose übertragen, die beim Hund unheilbar ist. Im allgemeinen wird die Normandie nicht als Sandmücken- und somit Leishmaniose-Gebiet angesehen, auch von Parasitus-Ex nicht. Allerdings ist eine weitere Verbreitung von Sandmücken in den Norden durch den Klimawandel nicht ausgeschlossen. Die Firma Virbac-France unterhält auf ihrer Seite eine interaktive Karte mit allen ihr gemeldeten Leishmaniose-Fällen in Frankreich. Daraus ist zu entnehmen, dass es auch Fälle von Leishmaniose in der Normandie gibt. Diese sind in der Regel allerdings non autochtone  (nicht einheimisch, in der Karte blau markiert) und autochtone incertain (unsicher, ob einheimisch, grüne Markierung) gekennzeichnet. Im Norden des Départements Seine-Maritime ist allerdings auch ein Gebiet mit einheimischen Fällen verzeichnet. Eine nicht Leishmaniose-übertragende Sandmückenart wurde außerdem auch schon im Calvados gesichtet.

Abwehrmaßnahmen: Schutz des Hundes mit einem Protectorhalsband (Scalibor oder Seresto) oder einem Spot-on (Advantix, Vectra3d, Exspot). Die Spot-ons haben je nach Präparat eine Wirksamkeit von zwei bis vier Wochen, müssen bei längerem Aufenthalt entsprechend erneut aufgetragen werden. Es existiert außerdem eine Impfung gegen Leishmaniose. Da Sandmücken nachtaktiv sind, sollte der Hund nicht im Freien schlafen. Ein sehr feinmaschiges Moskitonetz über der Schlafstätte ist zusätzlich empfehlenswert.

Stechmücken und Herzwürmer – die unterschätzte Gefahr

Herzwürmer werden durch den Stich von bestimmten Moskitos übertragen. Parasitus Ex stuft die Normandie als Risikogebiet ein, auch wenn das Risko sicher nicht ganz so hoch ist, wie in südlicheren Gefilden Frankreichs.

Gefahren für den Hund: Mit einer Herzwurmerkrankung ist nicht zu spaßen, die Behandlung ist langwierig und schwierig.

Abwehrmaßnahmen: Die Repellentien aus Advantix, Vectra 3d und Scalibor sollen auch gegen Stechmücken helfen, die Spot-Ons müssen aber regelmäßig erneuert werden. Parasitus-Ex empfiehlt eine Propyhlaxe gegen Herzwürmer mit Advocate (alle vier Wochen, solange sich der Hund im Zielgebiet befindet). Auch die Gabe von Milbemax (alle vier Wochen) ist möglich. Verabreichen Sie sowohl Milbemax als auch Advocate nur nach Rücksprache mit Ihrem Tierarzt, vor allem dann, wenn Ihr Hund vom mdr1-Gendefekt betroffen ist oder sein könnte.

Gefahr im Unterholz – Schlangen und Raupen

In der Normandie gibt es laut der Webseite Serpents de France fünf Schlangenarten: Kreuzotter und Aspisviper (giftig), sowie Ringelnatter, Schlingnatter und Äskulapnatter (ungiftig).

Kreuzottern – häufig in der Normandie

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Kreuzottern sind in der Normandie häufig vertreten. Foto: James Common/Pixabay

Kreuzottern sind relativ häufig in der Normandie. Sichtungen wurden 2017 aus Barneville-Carteret, aus den Dünen von Hatainville und Lindbergh, am Phare de Gatteville und Cap Levi und im Staatsforst Cerisy-la-Forêt gemeldet. Vor allem während der Paarungszeit und wenn die jungen Schlangen geboren worden sind, verlieren die Tiere ihre Scheu. Die jungen Schlangen sind genauso giftig wie ausgewachsene Tiere! Normalerweise flüchten Kreuzottern sofort und beißen nur zu, wenn sie auf Beutefang sind oder sich in die Enge getrieben und bedroht fühlen. Das kann aber passieren, wenn zum Beispiel ein ungestümer Hund die flüchtende Schlange bejagt oder ein Hund beim Gassi durch die Dünen über eine sich sonnende Schlange stolpert.

Gefahren für den Hund: Vor allem für kleine Hunde kann das Gift der Kreuzotter gefährlich werden.

Erste Hilfe: Wenn der Hund von einer Kreuzotter gebissen wurde, heißt es erst mal Ruhe bewahren und möglichst schnell einen Tierarzt aufsuchen. Kleine Hunde können getragen werden. Die Autorin Andrea Oberle hat auf ihrer Webseite "Mein Wanderhund" den Experten René Dörfelt zum richtigen Verhalten und zur Therapie bei Schlangenbissen befragt.

Abwehrmaßnahmen: Hunde nicht unbeaufsichtigt und ohne Leine durch Dünen, Wälder und Wiesen tollen lassen. An unübersichtlichen Stellen Hunde nicht voraus, sondern hinter dem Menschen laufen lassen. Beim Wandern sollten Sie festes Schuhwerk tragen.

Aspisviper – ein eher seltener Gast

Die Aspisviper hat ihren angestammten Verbreitungsraum eigentlich südlich von der Normandie, wurde hier bereits gesichtet, gilt aber als selten. Auch die Aspisviper ist eine lebend gebärende Schlange. Sie ist von der Kreuzotter am besten durch ihren kantigen, klar vom Körper abgeteilten Kopf und die aufgewölbte Schnauzenregion zu unterscheiden. Das Gift ist etwas schwächer als das der Kreuzotter. Es gelten die selben Verhaltensregeln wie beim Biss durch eine Kreuzotter. 

Nattern – völlig harmlos

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Nattern, wie die Ringelnatter, sind ungiftig. Foto: Jark Omanty/Pixabay

Die drei in der Normandie vorkommenden Natterarten sind ungiftig und harmlos! Ringelnattern sind, wie in Deutschland auch, sehr häufig anzutreffen. Schlingnattern sind eher selten und können ihrer Zeichnung wegen mit Kreuzottern verwechselt werden. Die Äskulapnatter isd ebenfalls eher selten, aber imposant: Sie kann bis zu zwei Meter lang werden.

Haarige Quälgeister – Prozessionsspinner

Prozessionsspinnerraupen gibt es auch in Deutschland. Dort treiben sie ihr Unwesen hauptsächlich rund um Eichen und heißen Eichenprozessionsspinner. In Frankreich und in der Normandie sind sie meist auf Pinien zu finden und heißen Pinienprozessionsspinner. In der Normandie sind die Plagegeister erstmals 2013 in der Region rund um Julloville und Saint-Pair-sur-Mer aufgetreten. Mittlerweile wurden auch Sichtungen aus der Orne (Region um Argentan und Sées) und aus dem Calvados bekannt. Die Raupen kriechen in Prozessionen über Bäume und auch über den Boden und haben lange feine Härchen – Sie können Sie nicht verwechseln! An den Bäumen befinden sich Nester aus den Gespinsten der Prozessionsspinner. Die feinen Härchen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein.

Gefahren für den Hund: Es kann zu Reizungen der Haut, zu starkem Juckreiz, allergischem Schock, Augenreizungen und Husten kommen. Besonders schlimm wird es, wenn die empfindlichen Schleimhäute an Nase und Mund mit den Gifthärchen in Berührung kommen. Es kann zu gefährlichen allergischen Schwellungen am Kopf und im Mundbereich kommen.

Erste Hilfe: Wenn der Hund in Kontakt mit Prozessionsspinner gekommen ist, sollten Sie schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen. 

Abwehrmaßnahme: Im Frühjahr in betroffenen Regionen nicht in Pinien- und Kiefernwäldern spazieren gehen. Raupen nicht berühren, Hund anleinen.

Gefahren am Strand, am und im Wasser – Quallen & Co.

Am Strand haben Sie Ihre Ruhe. Zumindest vor Schlangen, Zecken und Sandmücken (die wegen ihrer Färbung so heißen, und nicht weil sie im Sand vorkommen, direkt am Meer ist es den Winzlingen nämlich zu windig). Dafür gibt es Quallen und auch die hochgiftige Portugiesische Galeere verirrt sich bis in die Normandie.

Medusen in allen Größen und Formen

An den Stränden der Normandie finden Sie viele unterschiedliche Quallen. Allerdings längst nicht in der Häufung, wie Sie das von Nord- oder Ostsee kennen. An vielen Stränden der Westküste der Manche werden Sie unter Umständen gar keine oder nur vereinzelt Quallen finden.

Qualle, Normandie
Aurelia aurita ist eine der häufigen Quallen in der Normandie. Foto: Ipittman / Pixabay

Am häufigsten ist die Ohrenqualle (Aurelia aurita) an den Stränden der Normandie anzutreffen. Die Schirmquallen mögen so machen Badegast verschrecken, aber sie sind nicht nesselnd und völlig harmlos!

Kompassqualle, Normandie
Kompassquallen haben nesselnde Tenetakeln. Foto: Manfred Richter / Pixabay

Anders verhält es sich mit Kompassquallen (Chrysaora hysoscella), die ebenfalls häufig anzutreffen sind. Sie haben an ihren Tentakeln Nesselzellen sitzen, die auch beim Menschen Hautreizungen und Kreislaufbeschwerden hervor rufen können. Die ebenfalls giftigen Feuer- oder Leuchtquallen bevorzugen wärmeres Gewässer und sind daher vor allem im Mittelmeer anzutreffen.

Gefahren für Hunde: Hunde können beim Schwimmen in Kontakt mit den Tentakeln kommen. Ebenfalls denkbar ist, dass der Hund beim Spielen oder Wälzen im Sand in Kontakt mit den giftigen Tentakeln kommt. Auch beim Hund sind Symptome wie Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufbeschwerden beim Kontakt mit dem Nesselgift möglich.

Erste Hilfe: Wenn Ihr Hund ernsthafte Probleme nach einem Quallenkontakt hatte, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen.

Physalis, Normandie, giftig
Im Herbst 2017 wurden sehr viele Portugiesische Galeeren oder Physalis an die Strände des Cotentin geschwemmt. Foto: Skeeze / Pixabay

Die portugiesische Galeere (Physalia Physalis) ist eher ein seltener Gast an den Stränden der Normandie. Sie bevorzugt wärmeres Gewässer. Dennoch sorgte die Portugiesische Galeere im Herbst 2017 für Aufregung, denn es wurden einige Exemplare an die Strände des Cotentin und der Manche geschwemmt. Die örtlichen Behörden veranlassten eine sofortige Sperrung der betroffenen Strände. An den Strand gespült, sehen die Physalis aus wie blau schillerndes Plastik oder ein aufgeblasenes Kondom. Frisch angespült, versucht das Tier zunächst, seine langen Tentakeln einzuziehen. Und die haben es in sich: Sie sind sehr lang und können 15 bis 40 Meter erreichen. Und sie enthalten hochgiftige Eiweißverbindungen, die auch nach dem Tod des Tieres über Monate hinweg noch giftig sind. Die viel kleineren, aber ähnlich anmutenden Segelquallen sind dagegen nur schwach giftig.

Gefahren für Hunde: Die Tentakeln können den Hund im Wasser beim Schwimmen, beim Toben am Strand oder beim Wälzen im Sand gefährlich werden. Auch im Seetang verfangen sie sich gerne und liegen dort deutlich versteckter, als wenn sie in der Gezeitenzone angetroffen werden. Das Gift bewirkt heftige Schmerzen bei Mensch und Tier und es kann einen allergischen Schock auslösen.

Erste Hilfe: Wenn der Hund Kontakt mit den Physalies hatte: Ruhe bewahren, schnellstmöglich Tierarzt aufsuchen, Rathaus des Ortes verständigen.

Abwehrmaßnahmen:  Am Strand die Augen offenhalten, Hunde bei Sichtkontakt an die Leine nehmen und Strand verlassen, Warnschilder am Eingang zum Strand beachten und gesperrte Strände nicht betreten.

Der Strandfloh – ein harmloser Geselle

Oft lese ich im Internet, es gäbe an den normannischen Küsten Sandflöhe, die Hunde beißen würden. Doch das ist so nicht ganz richtig, denn das, was sich hier an den Stränden tummelt, sind Strandflöhe. Zwei Buchstaben mehr, großer Unterschied. Während Sandflöhe wirklich sehr unangenehme Parasiten sind, die sich in die Haut ihres Wirtes bohren, ist der Strandfloh ein Flohkrebs und zählt als solcher zu den Krebstieren. Er ist nicht mit den Flöhen verwandt und beißt meines Wissens nach auch nicht. Ohnehin ist er vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv und nimmt dort eine wichtige Aufgabe wahr: Er ernährt sich nämlich von Seetang und tierischen Überresten, die das ablaufende Wasser zurückgelassen hat und trägt somit zur Säuberung des Strandes bei. 

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Grünalgen wachsen auch in der Gezeitenzone der Normandie. Solange sie sich nicht massenhaft vermehren und an den Strand gespült werden, stellen sie kein Problem dar.

Grünalgen – giftiger Zerfall

Grünalgen sind eigentlich harmlos – nur wenn sie massenhaft an den Strand geschwemmt werden und dort verfaulen, werden sie zum Problem. Dann werden toxische Gase wie Schwefelwasserstoff freigesetzt. Das Problem tritt hauptsächlich in der Bretagne auf, vereinzelt sind aber auch Strände im Calvados betroffen.

Abwehrmaßnahme: Stark befallene Strände nicht betreten, auf Hinweisschilder achten.

Cyanobakterien – Gefahr im Wasser

Im Sommer 2017 wurde von Hunden berichtet, die nach dem Bad im Süßwasser an einer Vergiftung gestorben sind oder schwer erkrankten. Betroffen waren hauptsächlich die Loire und ihre Nebenflüsse, es wurde aber auch von einem Fall aus der Eure berichtet.

Gefahr für den Hund: Verschlucken des verseuchten Wassers führt zu einer Vergiftung mit Neurotoxinen (Nervengiften) und mit Hepatotoxinen (Lebergiften). Symptome sind Durchfall und Erbrechen, Krämpfe und Atemnot, sowieBewusstseinsstörungen.

Erste Hilfe: Bei oben genannten Symptomen nach dem Baden unverzüglich einen  Tierarzt konsultieren.

Abwehrmaßnahmen: Den Hund nicht in Seen und Flüssen baden lassen, auf denen sich Blaualgen zeigen. Zu erkennen ist der Befall durch eine bläulich-grüne Färbung; das Wasser ist trüb und am Ufer sind Schaum und Schlieren zu erkennen. Der Hund sollte außerdem nicht aus Seen und Flüssen trinken.

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