Die wichtigsten Verkehrsregeln und Bußgelder in Frankreich

Autofahren in Frankreich ist immer noch ein bisschen anders als in Deutschland. Und die Bußgelder sind deutlich höher, als Ihr es von Zuhause gewohnt seid. Schon deshalb solltet Ihr in Eurem Frankreich-Urlaub umsichtig und vorsichtig fahren.

Ein französisches Radarmessgerät in einer Wiese.
Schön getarnt steht der Blitzer am Straßenrand. Dieses Modell blitzt von hinten und wird vorher durch entsprechende Schilder angekündigt.

Geschwindigkeit in Frankreich – das müsst Ihr wissen

Am ehesten kommt Ihr mit dem Gesetz in Frankreich in Konflikt, weil Ihr zu schnell gefahren seid. Vor allem die geraden, unendlichen Landstraßen verführen dazu, nicht immer penibel auf den Tacho zu schauen. Genau das macht sie gefährlich! Diese Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten in Frankreich: Auf französischen Autobahnen dürft Ihr 130 km/h fahren, weswegen die meisten Franzosen den Tempomat nutzen. Bei Regen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Wohnmobile über 3,5 Tonnen dürfen 110 km/h fahren und Gespanne über 3,5 Tonnen dürfen nur 90 km/h schnell sein. Auf vierspurig ausgebauten Straßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h, bei Regen 100 km/h. Wohnmobile über 3.5 Tonnen dürfen auf diesen Straßen mit 100 km /h, Gespanne über 3,5 Tonnen 90 km/h unterwegs sein.  Auf allen zweispurigen Straßen (Nationalstraßen, Départementstraßen) dürft Ihr ab 1. Juli nur noch 80 km/h schnell sein, es sei denn, es gibt eine bauliche Trennung der beiden Spuren, wie es mancherorts bei Ortsumfahrungen der Fall ist. Ist die Straße dreispurig und sind die Fahrtrichtungen mit einer durchgehenden weißen Linie getrennt, so dürft Ihr in der Richtung, wo es eine Fahrspur gibt 80 km/h fahren, auf der Seite mit den beiden Fahrspuren 90 km/h. Ganz schön verwirrend, oder?  Innerorts gilt, wie in Deutschland auch, 50 km/h. Vor Schulen und Kindergärten wird die Geschwindigkeit auf 30 reduziert, das wird durch Schilder angezeigt und durch Bremsschwellen unterstrichen. Diese Konsequenz würde ich mir in Deutschland auch wünschen, denn es rumpelt heftig im Fahrgestell, wenn Ihr zu schnell drüber rauscht.

Verkehrsregeln in Frankreich

Achtung Blitzer: So wird kontrolliert

Hinweisschild auf stationäre Radaranlage in Frankreich

Die Blitzer des alten Typs werden alle durch ein entsprechendes Schild angekündigt. Diese Blitzer nehmen Euch von hinten auf. Die Geräte der neuen Generation können in alle Richtungen blitzen und werden auch nicht mehr angekündigt. Die Polizei setzt zudem mobile Überwachungssyteme ein und zum Teil werden Geschwindigkeitsmessungen auch an private Firmen vergeben. Derzeit wird in Frankreich noch diskutiert und prozessiert, ob das rechtens ist. Unterwegs sind die privaten aber schon, zum Beispiel auch in der Manche, wo bereits zwei private Radarmessfahrzeuge gesichtet wurden.  Insgesamt sollen in der gesamten Normandie 26 private Radarfahrzeuge ihren Dienst aufnehmen. Sie können Eure Geschwindigkeit auch während der Fahrt messen, zum Beispiel, wenn sie Euch entgegen kommen oder Ihr sie überholt. Infos, wo die fest installierten Blitzer sich befinden, wo gerne mobil gemessen wird und welche Zivilfahrzeuge gesichtet wurden, könnt Ihr auf der Seite Radars Auto nachlesen. Gut zu wissen: Radarwarngeräte sind Frankreich verboten, auch solche in Navigationsgeräten. Es droht eine hohe Geldbuße und das Gerät kann konfisziert werden.


Schlecht für die Urlaubskasse – Bußgeld für zu schnelles Fahren in Frankreich

Die Bußgelder für Verkehrsverstösse sind in Frankreich deutlich höher als in Deutschland. So auch für das Überschreiten der Geschwindigkeit. Eine weitere Besonderheit ist, dass Ihr Rabatt bekommt, wenn Ihr sofort (innerhalb von 15 Tagen) zahlt und das Bußgeld sich extrem erhöht, wenn Ihr die Zahlungsfrist versäumt. Um diese Beträge wird Eure Urlaubskasse gemindert, wenn Ihr zu schnell fahrt:

Verstoß Bußgeld (reduziert)
 1 bis 20 km/h zu schnell, außerorts  68 (45) Euro
1 bis 20 km/h zu schnell, innerorts oder bei 50 km/h 135 (90) Euro
21 bis 50 km/h zu schnell

135 (90) Euro

mehr als 50 km/h zu schnell

bis zu 1.500 Euro

Radarwarngerät

bis zu 1.500 Euro

Achtung: Wenn Ihr Frankreich nicht nur Urlaub macht, sondern dauerhaft hier lebt, kostet jeder Verstoß gegen die Geschwindigkeitsbegrenzungen auch Punkte, die in den Führerschein eingetragen werden, Ihr müsst dann Euren deutschen Führerschein gegen einen französischen eintauschen. Ab 30 km/h zu schnell droht neben den Punkten auch der Führerscheinentzug.

Weitere Sünden im Verkehr – das kostet es

Falschparken, eine rote Ampel überfahren, verkehrt in eine Einbahnstraße fahren – schnell ist es im fremden Land, auf der Suche nach einer Adresse oder einem Parkplatz passiert. Entgegen hartnäckiger Gerüchte muss für Passanten am Zebrastreifen gehalten werden – auch wenn sich viele Franzosen bis heute nicht daran halten. Es kann teuer werden! Ihr findet zudem viele automatische Verkehrsüberwachungsanlagen, die zum Beispiel an Ampeln installiert sind und Euch blitzen, wenn Ihr einen Rotlichtverstoß begeht. Verboten ist Frankreich für den Fahrer das Telefonieren während der Fahrt, auch mit Headset. Nur Freisprecheinrichtungen dürfen benutzt werden. Auch Kopfhörer zum Musikhören darf der Fahrer nicht tragen. Verboten ist zudem das Rauchen, wenn Kinder mit im Auto sitzen, das Essen und Trinken (und das Schminken) am Steuer. Strafbewährt sind außerdem das Überfahren einer durchgezogenen Linie, die Missachtung des Sicherheitsabstands, das Fahren ohne Gurt oder unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Apropos Alkohol: Das Mitführen des Alkoholtesters ist immer noch Pflicht, ein Fehlen ist aber nicht mehr mit einem Bußgeld belegt. Allerdings ist es möglich, dass Euch die Polizei dann zum Alkoholtest bittet, wenn sie den Verdacht hat, dass der Fahrer alkoholisiert ist. Die Kosten für diesen Test gehen zu Euren Lasten. Die französische Regierung hat allerdings angekündigt, dass die Mitführpflicht 2018 noch aufgehoben werden soll.  Am günstigsten kommt Ihr noch bei Parkverstößen davon: Die gehören in die Klasse eins und kosten 11 oder 17 Euro, die Ihr in  einem autorisierten Tabakgeschäft begleichen könnt. Wenn Ihr das Blinken vergesst oder die Maut auf der Autobahn nicht bezahlt, kostet das 35 Euro. Alle anderen oben aufgeführten Verstöße fallen mindestens in die Kategorie drei des Bußgeldkatalogs und schlagen somit mit 135 Euros (reduziert: 90 Euro) zu Buche. Richtig teuer wird es, wenn Ihr mit mehr als 0,8 Promille Alkohol oder unter Drogeneinfluss erwischt werdet: Das kostet bis 4.500 Euro Strafe. Am einfachsten lassen sich Bußgelder durch vorschriftsmäßiges Fahren vermeiden :-) .

Sicher durch den Kreisverkehr in Frankreich

Dieser Text wäre ohne einen Exkurs in die Welt der Kreisverkehre nicht komplett. Denn Frankreich ist das Mutterland aller Kreisverkehre, mit rund 20.000 davon gibt es hier die Hälfte aller Kreisverkehre weltweit. Anders als in Deutschland wird in Frankreich auch bei der Einfahrt in den Kreisverkehr geblinkt und zwar:

  • beim Einfahren rechts, wenn Ihr den Kreisverkehr an der nächsten Ausfahrt verlassen wollt, ihr bleibt auf der rechten Spur.
  • beim Einfahren links, wenn Ihr über die Mitte des Kreisverkehrs hinaus fahren wollt. Wenn zwei Spuren da sind, nehmt Ihr die innere Spur.
  • nicht beim Einfahren, wenn Ihr im Sinn geradeaus fahren wollt, hier nehmt Ihr die äußere Spur.
  • vor dem Ausfahren setzt Ihr immer den Blinker rechts.

Die Fahrzeuge auf der inneren Spur haben immer Vorfahrt! Noch ein Tipp: Viele Franzosen blinken so lange links, wie sie auf der inneren Spur fahren und blinken rechts vor dem Ausfahren. Das ist zwar nicht wirklich so vorgesehen, aber zweckmäßig, da so alle Verkehrsteilnehmer sehen, wohin die Reise geht.

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