· 

Und der Oscar geht an ... Pirou?

Die diesjährige Oscar®-Verleihung am 4. März wurde auch in der Normandie mit Spannung verfolgt. Der französische Film „Visages Villages“ war als bester Dokumentarfilm nominiert. Gedreht wurde in der französischen Provinz – unter anderem in Pirou in der Normandie.

Urlaub mit Hund in der Normandie; Filmtipp; Visages Villages
Der Film Visages Villages wurde unter anderem im Geisterdorf in Pirou gedreht.

"Wir lieben beide die Menschen", fasst Filmlegende Agnès Varda die Quintessenz des Dokumentarfilms "Visages Villages" zusammen. Die 89-Jährige tourte zusammen mit dem Streetart-Künstler JR zwei Jahre lang durch die französische Provinz. Sie porträtierten die Menschen der Dörfer in JRs Fotomobil und klebten die überlebensgroßen Bilder an Hausfassaden, auf Schiffscontainer, Züge und gestrandete Bunker. Der Film, der am 31. Mai unter dem Titel "Augenblicke: Gesichter einer Reise" in die deutschen Kinos kommt, setzt den Menschen und ihrer persönlichen Geschichte ein Denkmal. Ganz normalen Menschen, wie dem Briefträger von nebenan. Der Film erzählt von Begegnungen, Augenblicken. Von Vergänglichkeit und Erinnerung. Gedreht haben Agnès Varda und JR überall in Frankreich; oft waren persönliche Erinnerungen der Grund dafür, einen Ort aufzusuchen.

Filmtipp, Visages Villages, Normandie, Urlaub mit Hund in der Normandie
Das Foto des französischen Fotografen Guy Bourdin zierte eine Tide lang den Bunker in Sainte-Marguerite-sur-Mer. Foto: © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016

"Ich war früher oft in der Normandie", berichtet JR, "da gibt es eine Stelle, wo ein gesprengter Bunker mitten im Sand steckt, als wäre er vom Himmel gefallen." Es stellt sich heraus: Auch Agnès kennt diesen Ort, war zusammen mit dem Fotografen und Künstler Guy Bourdin dort. Sie und JR bringen eine Reproduktion eines alten Fotos von Bourdin an dem Bunker an. "Besonders hat mir gefallen, dass du ihn halb liegend auf den Bunker montiert hast. Das Relikt eines schrecklichen Bunkers aus dem Krieg wird hier zu einem kuscheligen Nest (...) und schwubb, wurde es von einziger Welle wieder weggespült", so Agnès Varda im Interview.

Ein Fest in Pirou für das Village Fantôme"

Die Episode in Sainte-Marguerite-sur-Mer (Seine-Maritime) ist kennzeichnend für den gesamten Film. In Pirou, im "Village Fantôme", haben die Filmemacher ein Fest mit den Menschen gefeiert, ihre Portäts auf die zerfallenen Häuser geklebt. Das Geisterdorf ist längst abgerissen, nur noch eine graue Steinwüste erinnert an diesen Platz. Doch der Film "Visages Villages" setzt ihm und seiner Geschichte ein filmisches Denkmal.

Filmtipp, Visages Villages, Normandie, Urlaub mit Hund in der Normandie
In Le Havre wurden die Arbeiter in den Docks und ihre Ehefrauen portätiert. Foto: © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016

Ein weiterer Drehort in der Normandie ist Le Havre, wo Agnès Varda und JR die Dockarbeiter und ihre Ehefrauen auf den Schiffscontainern verewigt haben.

Frankreich in seiner ursprünglichsten Form

Filmtipp, Visages Villages, Normandie, Urlaub mit Hund in der Normandie
Der Film "Visages Villages" macht sich auf Spurensuche durch das ländliche Frankreich.Foto: © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016

Von den Szenen in der Normandie abgesehen, lohnt der Film schon allein deshalb, weil Agnès Varda und JR die Geschichte des ländlichen, des ursprünglichen Frankreichs erzählen, das mehr und mehr zu verschwinden droht. Er lohnt wegen der Herzenswärme, mit der die beiden Filmemachern den Menschen begegnen, wegen den faszinierend Porträts und Collagen und nicht zuletzt wegen der Künstler selbst und ihrem so ungewöhnlichen Projekt. Agnès Varda ist Mitbegründerin der Nouvelle Vague und sicherlich die bedeutendste Filmemacherin Frankreichs, den Ehrenoscar für ihr Lebenswerk erhielt sie 2017. Ihr Spielfilm "Vogelfrei" hat mich in jungen Jahren nachhaltig erschüttert. Ihr Lieblingsgenre ist allerdings der Dokumentarfilm,  weil, wie sie selbst sagt,  "der Zufall die Regie übernimmt".  Der Streetart-Künstler JR, Juste Ridicule, wurde mit seinen ungewöhnlichen Fotografien der Banlieu-Bewohner von Paris bekannt. JR zeigt auf seinen Fotografien die Vergessenen, die Ausgegrenzten. Er will Kunst nutzen, um die Welt umzukrempeln. Der Film Visages Villages erzählt auch von dem Roadtrip dieser zwei so unterschiedlichen Künstler, ihrer beginnenden Freundschaft.

Filmtipp, Visages Villages, Normandie, Urlaub mit Hund in der Normandie
Streetart-Künstler JR und Filmemacherin Agnès Varda. Foto: © Agnès Varda-JR-Ciné-Tamaris, Social Animals 2016

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Ursprünglich war das gemeinsame Projekt als Kurzfilm angelegt; doch auch hier übernahm der Zufall die Regie. "Visages Villages" ist eine wunderbare Ode an Frankreich, das Leben und an die Kunst geworden. Der Film feierte am 19. Mai 2017 auf den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere und wurde seitdem mehrfach prämiert. Für den Oscar® hat es zwar nicht gereicht, dafür wurde aber der Film mit dem unabhängigen Äquivalent "Spirit Award" ausgezeichnet.

Info

Der Film kommt im Weltkino-Verleih am 31. Mai in die deutschen Kinos. Die französische Version kann über arte France als VoD bezogen werden.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Werdet facebook-Fans:

chienNormandie - Fanseite Urlaub mit Hund in der Normandie

Abonniert unseren Newsletter:

Newsletter chienNormandie - Urlaub mit Hund in der Normandie

Tauscht Euch aus:

facebook Gruppe chienNormandie Urlaub mit Hund in der Normandie


Weitersagen:

Wir sind Mitglied bei:

miDoggy Hundeblog

Lasst Euch auf Pinterest inspirieren:



Wir empfehlen: