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Das Ding mit der Verantwortung

Dieser Blogpost schwirrt schon lange in meinem Kopf herum, es fehlte nur die Zeit, ihn dann auch mal in Tasten zu klopfen. Heidi Schmitts sehr guter Beitrag auf ihrem wirklich lesenswerten Blog hat den Anstoss gegeben, meine Gedanken dazu endlich niederzuschreiben. Denn es gibt wirklich Bloggerkollegen, die täglich Posts raushauen, als gäbe es kein Morgen. Die nicht recherchieren, ob das, was sie da schreiben, eigentlich stimmt, oder ob sie sich was zusammengereimt haben. Die persönliche Erfahrungen zur Wahrheit stilisieren. Dabei tragen sie aber ganz viel Verantwortung für das, was beim Leser ankommt und angenommen wird, und manchen ist das noch nicht einmal bewusst.

Zwei Hunde im Büro
Hunde- und Reiseblogger tragen eine große Verantwortung für das, was sie im Netz posten.

Wobei ich zugeben muss, dass ich gerade durch die miDoggy-Community viele wirklich gute, reflektierende und selbstkritische BloggerInnen kennen gelernt habe und viel lernen durfte im letzten Jahr. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Aber dennoch: Es wird auch viel Mist verzapft in den Weiten des Internets. Ich bin davor sicher nicht gefeit, schließlich ist Fehler machen irgendwie menschlich. Aber ich bemühe mich, sie möglichst gering zu halten, eben weil ich mir meiner Verantwortung bewusst bin. Nicht zuletzt kommt auch den LeserInnen dieses und anderer Blogs Verantwortung zu: Hinterfragt kritisch, was Ihr lest, zieht weitere Quellen hinzu, mischt Euch ein, wenn Ihr Fehler findet.

Hund am Strand in der Normandie
Wohin strebt die Bloggerwelt?

Verantwortung für die Menschen

Meine Seite lesen Menschen, die hier in der Normandie Urlaub mit Hund machen wollen. Da es eine sehr kleine Nische ist, sind es (noch) nicht allzu viele, aber dadurch wird der Kontakt gleich sehr viel persönlicher und enger. Über die dazu gehörigen facebook-Gruppe bekomme ich ebenfalls sehr viel Feedback. Trotzdem kann es passieren, dass einem Urlauber weder die Normandie, noch die Wanderwege, Sehenswürdigkeiten oder Restaurants gefallen (Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden). Ich bemühe mich, nur solche Informationen weiterzugeben, die ich selber testen konnte oder die von Menschen stammen, auf deren Urteilsvermögen ich mich verlassen kann. Das geht aber zum Beispiel nicht bei der Masse von Ferienhäusern und Campingplätzen, die auf der Seite stehen und hier bin ich dringend auf Rückmeldung und Kritik angwiesen. Dann ist es neulich passiert, dass Urlauber mit Hund auf einer sehr unwegsamen Strecke in Gorges gelandet sind. Da ich dieses Jahr überhaupt noch nicht zum Wandern gekommen bin, wusste ich um den schlechten Zustand der Strecke nicht. Ich habe den Bericht jetzt entsprechend ergänzt. Doch weil die Normandie relativ groß ist (so groß wie Belgien) ist es schlichtweg unmöglich, Anfragen zu bestimmten Regionen zu beantworten, die ich selber noch nicht getestet habe. Nur weil es auf den Fotos im Netz gut aussieht, muss es auch wirklich gut sein! Weil ich es irgendwo gelesen habe, dass es ein lohnendes Ausflugsziel ist, kann es trotzdem sehr langweilig sein.

Pointe du Hoc an der Landungsküste in der Normandie.
Nicht immer muss etwas toll sein, was auf Fotos gut aussieht. Pointe du Hoc ist dabei nur ein Beispiel: Enttäuschend und total überlaufen, und Hunde dürfen ohnehin nicht mit.

Verantwortung für die Hunde

Dieser Punkt ist schon viel heikler. Ich kenne einige Bloggerkollegen, sogar solche mit großer Reputation, die schaffen es, einen Artikel über das Campen mit Hund in südlichen Ländern zu schreiben und dann darauf hinzuweisen, dass es auch Mittelmeerkrankheiten gibt. Um anschließend die Behauptung aufzustellen, es reiche als Abwehrmaßnahme aus, in der Dämmerung drin zu bleiben, hinterher könne man wieder raus. So etwas finde ich grob fahrlässig. Und schon nicht mehr fahrlässig, wenn man keinen entsprechenden Zusatz oder Link in dem Artikel anbringt, nachdem man auf Leishmaniose, Herzwurm und Prophylaxe hingewiesen wurde. Natürlich bin ich kein Tierarzt, aber ich checke jede Information aus verschiedenen Artikeln und gebe auch nur das weiter, was ich aus seriösen Quellen recherchiert habe. Eben damit Ihr und Eure Hunde gesund wieder nach Hause kommt. Und ja, ich warne lieber einmal zu viel als zu wenig davor, mit Hund bei heißen Sommertemperaturen zum Mont-Saint-Michel zu gehen oder weise darauf hin, dass es hier auch gefährliche Quallen am Strand geben kann. Ich recherchiere permanent in den französischen Medien, um wirklich auf dem neuesten Stand zu sein. Zudem bin ich auf Eure Erfahrungen  angewiesen, schreibt mir, wenn Ihr einen Fehler findet oder etwas fehlt.

Verantwortung für die Region

Das ist für mich der schwierigste Punkt. Denn wie berichte ich über eine Region, ohne zu viel Werbung zu machen? Was passiert, wenn es plötzlich zu einem Massenansturm kommt? Over-Tourisme war das Schlagwort des letzten Jahres, in Barcelona, in Venedig oder auf Mallorca. Und seit ich auf Pinterest unterwegs bin, treibt es mich noch mehr um, denn andere generieren weit über fünfstellige Zugriffe über Pinterest pro Monat auf ihren Blog. Was, wenn ich einen solchen Zulauf zu verzeichnen hätte? (Ich kann Euch beruhigen: Ich bin weit davon entfernt! Die Nische ist so winzig, dass wirklich nur wenige daran interessiert sind, die sich dann aber auch erfreulich intensiv auf meiner Seite aufhalten. Am meisten geklickt werden aber über facebook und Pinterest die französischen Verkehrsthemen). Doch wenn die Normandie plötzlich zum Hype würde – wäre es für die Region, für die Entwicklung des Tourismus, für uns als Hundemenschen gut? Licht und Schatten der Reisebloggerei beschreibt Melissa in ihrem Gastbeitrag auf Wireless Life. Nun ist ja der Cotentin weit davon entfernt, vom Massentourismus überrannt zu werden, es werden nicht mehr Ferienhäuser gebaut werden und keiner stampft Hotels aus dem Boden, weil das Geld hier immer noch nur in zwei Monaten verdient wird. Im Gegenteil: Viele Vermieter und Campingplatzeigner würden sich über eine bessere Auslastung in der Nebensaison freuen. Und die kann durchaus aus der Quelle "Hundeurlauber" generiert werden.

Mehrere Wohnmobile stehen auf einem Parkplatz
Der Wohnmobil-Tourismus an der Küste ist vielen Einheimischen mittlerweile ein Dorn im Auge.

Doch in der Hauptsaison kommt die Infrastruktur regelmäßig an ihre Grenzen. Wenn sich die Einwohnerzahl eines Ortes im Sommer verzehnfacht und noch ein kräftiger Gewitterregen niedergeht, übersteigt dies zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Kläranlagen und die Abwässer fließen ungeklärt ins Meer. Dass die strandnahe Bebauung mit den "Plages" – die einzig und allein dem Ferienhaustourismus zu verdanken ist – kein Konzept für die Ewigkeit ist, hat auch der Sturm "Eleanor" im Winter gezeigt. Und auch Nischentourismus kann sehr schnell als Over-Tourisme empfunden werden. Das zeigen alljährlich die Diskussionen um die Wohnmobiltouristen, die zwar die Infrastruktur der strandnahe Orte nutzen, aber möglichst nichts bezahlen wollen. Ferienhausgäste müssen mittlerweile auch auf dem Cotentin Kurtaxe entrichten, die Einwohner zahlen Steuern und Abgaben. Doch Wohnmobilsten sind  da außen vor. Das führt in vielen Orten mittlerweile zur Verärgerung. Und obwohl freistehende Wohnmobilfahrer wirklich nur einen kleinen Teil der Feriengäste darstellen, sind sie gefühlt überall – und überall im Weg. In vielen Dörfern und Städten der Küste wird das Freistehen mittlerweile unterbunden. Dass auch Hundetourismus schnell als Over-Tourisme wahrgenommen wird, zeigt das Beispiel aus Lindbergh-Plage 2014: Nach einem Vorfall mit einem Urlauberhund wurde der Strand kurzerhand ganz für Hunde gesperrt. Eine Katastrophe für alle Hundeurlauber und auch für die Vermieter von Ferienhäusern, die ganz auf die vierbeinige Klientel ausgerichtet sind. Eine Petition und ein neuer Bürgermeister führten zu der heute geltenden Regelung. Wir haben alle die Verantwortung dafür, dass die Normandie eine hundefreundliche Gegend bleibt. Schon letztes Jahr hatte ich über die Kehrseite der Medaille des Hundetourismus gebloggt.  Ich weiß nicht, welche Zuwachszahlen an Hundetourismus die Normandie verträgt. Aber ich weiß, dass es in der Bretagne mittlerweile viele Verbote für Hunde an den Stränden gibt und freundliche Menschen in Uniform die Einhaltung der selben kontrollieren. Es bleibt daher nur der Appell, sich an die geltenden Regeln zu halten, auch wenn die Einheimischen sich mancherorts darüber hinweg setzen. Schließlich telefoniere ich ja auch nicht während der Fahrt, weil mein Nachbar gerade mit dem Smartphone an mir vorbei gerauscht ist. Nehmt Rücksicht auf die Menschen ohne Hund, die vielleicht Angst vor Eurer Fellnase haben und nicht einschätzen können, ob Euer Hund nur knutschen oder vielleicht doch zubeißen will. Nehmt Rücksicht auf Hunde an der Leine – mein Ben wurde letztes Jahr von einem freilaufenden Hund schneller blutig gebissen, als ich ihn blocken konnte. Sammelt den Hundekot ein, auch wenn daneben schon ein anderer Haufen liegt (eine gute Idee übrigens, den gleich mit weg zu machen :-) ). Toll im Sinne es nachhaltigen Tourismus fände ich es auch, wenn Ihr die regionalen Erzeuger unterstützt und lokale Produkte kauft.

Ein Berg von Meeresschnecken.
Ich bin ein Fan der regionalen Produkte.

Verantwortung für die (Netz-)Welt

Viele Blogger finanzieren sich durch Produkttests, Werbebanner, gesponsorte Posts oder Affiliate-Links. Und ganz ehrlich: Auch wenn ChienNormandie eine winzige Nische ist, so wäre ich froh, wenn wenigstens ab und an mal etwas Zählbares hängen bleiben würde, zumal der Aufwand, den ich betreibe, mittlerweile immens ist. Und trotzdem bleibt diese Seite werbefrei und ich empfehle Euch nur das weiter, was ich auch ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann. Aus einem ähnlichen Grund habe ich auch die Amazon-Links wieder raus genommen, weil im Verhältnis zu der Werbefläche, die ich zur Verfügung stelle, es geradezu lächerlich ist, was dabei herumkommt. Und ich finde es besser, wenn Ihr Bücher über den Buchhandel bezieht, der kann genauso schnell liefern, schickt Euch nicht ständig Spam-Mails und sammelt nicht emsig Daten über Euer Nutzerverhalten. Und Werbung für einen Riesenkonzern machen, während ich Euch kleine Produzenten vor Ort schmackhaft machen will, wäre irgendwie schizophren. Ich habe keine Partnerlinks zu einem Tierversand eingebaut, weil ich mich ein halbes Jahr über deren Versand geärgert habe, der den Namen noch nicht mal im Ansatz verdient. Ja, und unsere erste Anfrage zu einem Futtermitteltest habe ich auch abgelehnt, meinen Hunden zuliebe und weil der anfragende Betrieb ausgerechnet zu Nestlé gehört. Ich werde weder mich noch meine Seele verkaufen :-) . Arm, aber sexy, sozusagen.

Verantwortung für meine Hunde

Ein Bordercollie steht im Wasser
Meine Hunde erwarten zu recht, dass ich für sie Verantwortung übernehme

Das ist seit drei Wochen der wichtigste Punkt für mich. Denn Idgie ist krank, sie hat sich innerhalb von wenigen Sekunden das Fell an der Rute auf 15 Zentimetern raus gerupft und sich blutig gebissen. Es folgte eine bakterielle Infektion und eine mit Pilzen. Seitdem sind wir viel mit Krankenpflege und Haushygiene beschäftigt. Da Idgie des Kragens wegen sehr unleidlich ist und Ben mobbt, was wiederum wegen der Halskrause sehr schmerzhaft ist, ist zudem Hundemangament gefragt und wir halten sie meistens getrennt. Das heißt, es bleibt keine Zeit, um für meine Auftraggeber zu schreiben, keine Zeit, ChienNormandie zu pflegen, keine Zeit, um per Mail Tipps zu geben oder Ferienhäuser zu suchen, keine Zeit, um Menschen vor Ort zu helfen. Ich brauche einfach gerade selber Hilfe! Es tut mir um jeden Einzelnen leid, den ich in dieser Zeit enttäuscht und versetzt habe. Auf Viele hatte ich mich lange Zeit gefreut! Aber meine Hunde gehen vor. Das ist nämlich die Verantwortung, die ich übernommen habe, als ich sie zu mir geholt habe.

Und wie geht's weiter?

Ja, wir warten darauf, dass Idgie wieder ohne Halskrause leben darf. Und dann werden wir versuchen, den Sommer, oder was davon übrig ist, zu genießen. Ab und an uns was Neues anschauen und hoffentlich einen hilfreichen Bericht für Euch schreiben. Das soll nämlich diese Seite sein: Eine Orientierungshilfe für Urlauber und ihre Hunde. Mit der ganzen Verantwortung, die ich als Schreibende, Fotografierende, Recherchierende, Kommunizierende dabei trage. Ich freue mich über  Eure Tipps, Anregungen und konstruktive Kritik.


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Kommentare: 3
  • #1

    Nicolas (Montag, 02 Juli 2018 20:47)

    Salut Barbara
    Wieder mal ein klasse Artikel von Dir. Jede Menge Anregungen und Überlegungen die zum Nachdenken anregen.
    Vieles davon sollte eigentlich selbstverständlich sein, kann aber nicht oft genug wiederholt werden.
    Liebe Grüße und knuddel Idgie ganz doll.

  • #2

    Karin (Montag, 02 Juli 2018)

    Sehr schön geschrieben und eine richtige Einstellung.
    Gute Besserung für Idgie!
    Die Normandie ist wunderschön und glücklicherweise nicht überlaufen, so soll es auch bleiben

  • #3

    Irène (Montag, 02 Juli 2018 22:34)

    Toll geschrieben, Dein Artikek � Und so wahr.
    Gute Besserung für Deinen Hund und trotz allem noch einen schönen Sommer


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