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75 Jahre D-Day: darum ist das Gedenken wichtig

Am 6. Juni 2019 feiert die Welt in der Normandie das 75-jährige Jubiläum des D-Day. Gleichzeitig will Trump "America First", die Briten "Brexit", erstarken in vielen europäischen Ländern Rechtsradikale und Nationalisten. In Deutschland spricht der AfD-Politiker Björn Höcke "dämlichen Bewältigungspolitik" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad", Gauland nennt den Hitlerfaschismus einen "Vogelschiss in der Deutschen Geschichte." Wie kommen solche Sprüche wohl bei den letzten lebenden Veteranen an, die gerade in der Normandie weilen?

Memorial an Utah-Beach in der Normandie: Soldaten preschen aus einem Landungsboot bei der Operation Overlord.
Überall an den Landungsstränden erinnern Monumente an den D-Day am 6. Juni 1944.

Der D-Day ist eine Verpflichtung zum Frieden

Die Normandie wurde im Sommer 1944 zu einem der blutigsten Schlachtfelder der Geschichte. Die Bilanz am Ende: Rund eine halbe Million Tote. Der Historiker Antony Beevor nennt 240.000 Tote und Verwundete bei der Wehrmacht, plus 200.000 Soldaten in Kriegsgefangenschaft. 83.045  Verluste bei der 21. Armeegruppe der Briten, Kanadier und Polen, 125.847 bei den Amerikanern. Die alliierten Luftstreitkräfte bilanzierten zudem 16.714 Tote und Vermisste. Die zivilen Opfer beziffert Beevor mit 19.890 Getöteten während der Befreiung der Normandie und weiteren 15.000 toten und 19.000 verletzten Zivilisten während der Bombenangriffe ersten Monate des Jahres 1944. Die Menschen der Manche und des Calvados oder der Stadt Le Havre zahlten einen hohen Preis für die Befreiung Europas. Viele Tote, Geflüchtete, Verletzte, die Dörfer und Städte größtenteils zerstört. Der Wiederaufbau dauert bis ans Ende der 1960er Jahre und brachte einen eigenen Architekturstil hervor, der mittlerweile, wie zum Beispiel in Le Havre (Welterbe) oder Saint-Lô (Monuments historique) unter besonderem Schutz steht. Doch die historische Bausubstanz, das kulturelle Erbe ging vielerorts unwiderbringlich verloren. Jeder Stein in dieser Region atmet Geschichte. Überall findet Ihr noch Bauwerke des Atlantikwalls oder mancherorts verlassene Panzer in den Dünen. Zeitzeugen, damals Kinder und Jugendliche, sind bis heute traumatisiert.

Die vielen Soldatenfriedhöfe sprechen eine beredte Geschichte vom Massaker in der Normandie. Und erschütternd finde ich die ebenso lange Liste der Vermissten, bis heute von der normannischen Erde geschluckt. Und die vielen jungen Menschen, die namenlos bestattet wurden, weil sie nicht identifiziert wurden. Bis heute werden Leichen der großen Schlacht geborgen und zumeist in La Cambe auf dem deutschen Kriegsgräberfeld bestattet.

Hinter jedem dieser Schicksale hängen Familiengeschichten. Der Vater, der Bruder, der Mann, die nicht zurückgekommen sind. Die verschwunden geblieben sind. Meine Großmutter hat ihren Mann im Krieg gelassen – auch er blieb für immer vermisst. Bis zum Schluss hoffte sie, dass er eines Tages einfach um die Ecke kommen würde. Es sind diese nicht fertig erzählten Geschichten, offene Wunden, die schlecht heilen. Es ist das Gefühl, an Omaha Beach zu stehen und vor dem inneren Auge die Sterbenden zu sehen, die die Erinnerung so lebendig macht wie vor 75 Jahre zuvor. Wir müssen die Erinnerung auch wachhalten für die jetzt junge Generation, die bald niemanden mehr "live" fragen kann. So wie den Sohn meiner Freundin, der vor zwei Jahren alles hier zum Thema wie ein Schwamm aufgesogen hat, der mit uns im Museum Utah Beach, auf dem Friedhof in Colleville und La Cambe war. Die Stationen der Erinnerung vermitteln gut, was damals passiert ist. Und löst hoffentlich in jedem Besucher den Wunsch aus, nie (wieder) einen Krieg erleben zu müssen – und etwas für den Frieden zu tun.

Ein Militärflugzeug steht im großen Glashangar in Utah-Beach in der Normandie
Erinnerungsstätten wie das Museum in Utah-Beach vermitteln das Geschehen vor 75 Jahren am D-Day.

Manch einer mag vor allem das D-Day-Festival befremdlich finden. Es wird jedoch nicht nur der Toten gedacht, sondern auch die Befreiung gefeiert. Bunt und fröhlich ist das, denn es soll asuch die Dankbarkeit an die Befreier ausdrücken. Ihr trefft Reeanctors, die in Uniform und Jeep durch die Gegend brausen. Am 5. Juni 2019 ist der 97-jährige Tom Rice über Carentan mit dem Fallschirm abgesprungen. Das D-Day-Festival hat ein großes und vielfältiges Programm zu bieten, mit Kultur, Gedenken, Festen und Ausstellungen. Jeder Mensch feiert und gedenkt auf seine Weise. Das D-Day-Festival ermöglicht es Menschen, die sich noch nie mit dem D-Day auseinander gesetzt haben, einen einfachen, niedrigschwelligen Zugang zu der Geschichte. Diese Zeitreise hat genauso ihre Berechtigung wie Museen und Monumente. Lasst uns alle die Erinnerung an das Geschehen wachhalten, damit keiner je wieder einen Krieg in Europa anzetteln kann!

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Kommentare: 1
  • #1

    Berlinerin in Frankreich (Donnerstag, 06 Juni 2019 09:42)

    Hallo!

    Ich war am letzten Wochenende in der Normandie und konnte die Vorbereitungen zu den Festlichkeiten verfolgen. Ich wäre heute auch gerne da gewesen. Dir viel Spass beim feiern!

    Liebe Grüße
    Feli von https://berlinerininfrankreich.de/


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