· 

Fotoparade 2019 – Mission impossible

Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich auf die diesjährige Fotoparade von Erkunde die Welt gewartet. Michael hatte ja letztes Jahr entschieden, nur noch eine Fotoparade pro Jahr zu veranstalten. Durchaus nachvollziehbar, wenn Ihr bedenkt, wie viele Einsendungen es jedes Mal gibt. Aber genau das macht FopaNet aus: Ihr könnt tolle Orte und fantastische Reisefotografen entdecken und Inspiration für Euer eigenes Schaffen bekommen. Von daher hat Micha etwas Großartiges in der deutschen Reisebloggerszene geschaffen, an dieser Stelle einfach herzlichen Dank dafür!

Eine Fotocollage aus zwei Normandie-Fotos für die Fotoparade 2019
FoPaNet – Fotoparade 2019

Ja, und dabei sein ist alles! Wobei die Aufgabenstellung auf Erkunde die Welt heuer schon eine Herausforderung ist. Denn es gilt, unter folgen den gegensätzlichen Paaren einen Favoriten zu bebildern und zu betexten. Also auch darzulegen, warum ich mich für das ein oder andere entschieden habe, oder nicht entscheiden konnte. Um diese Gegensätze geht es:

  • Stadtbild” oder “Landschaft”?
  • “Tier” oder “Pflanze”?
  • “Berge” oder “Meer”?
  • “Fremdländisch” oder “einheimisch”?
  • “Sonnenaufgang” oder “Sonnenuntergang”?
  • “Schwarz-Weiß” oder “Bunt”?
  • Und schließlich sollte noch das schönste Foto des Jahres gezeigt werden.

 

Wahrheit und "Pflicht" – wie entscheide ich mich?

Das Nachdenken über die Aufgabenstellung zog unweigerlich ein Nachdenken über meine fotografische Entwicklung – oder auch Nicht-Entwicklung nach sich. Denn hätte ich vor ein paar Jahren noch klar für Schwarz-Weiß optiert, bin ich heute nicht mehr so sicher. Und klar liebe ich Tierfotos, habe ich doch eigentlich vor Jahren nur mit dem Fotografieren angefangen, um Bilder von meiner erkrankten Katze Marie zu machen. Und Blümchen knipsen kann ja irgendwie jeder :-O . Auch hier verändern sich meine Prioritäten zunehmend. Starten wir lieber durch eine Reise durch mein fotografisches Jahr. Alle Bilder wurden im Zeitraum von Dezember 2018 bis September 2019 gemacht.

Stadtbild oder Landschaft?

Wer einen Teil seiner fotografischen Sozialisation in den Hochhausschluchten von Frankfurt erfahren hat, für den ist es eine klare Sache: Architektur, möglichst modern, möglichst reduziert fotografiert. Und ja, ich bin ein Asphaltcowboy, der gerne durch Hinterhöfe streicht oder kleine Details sichtbar macht. In der Normandie werden aus den Metropolen zwangsläufig kleinere Städte, manchmal auch Weiler, und die Fotografie wird gegenständlicher. Der Blick wandelt sich, Bilder werden konkreter, erhalten mehr dokumentarischen Charakter, auch weil ich auf meinen Seiten viel über die einzelnen Orte und ihre Geschichte schreibe, wie zum Beispiel Anfang des Jahres über Saint Lô, das mich nachhaltig beeindruckt hat.

Landschaft dagegen kann ich nicht, habe ich kein Auge dafür. Ich bewundere alle Fotografen, die so tolle Landschaftsbilder machen, dass mir nur ein WOW dazu einfällt. Ich sollte vielleicht mal einen Workshop besuchen. Jedenfalls ist es pure Verschwendung, in einer der schönsten Gegenden Europas zu leben und keine fantastischen Landschaftsbilder hinzukriegen. Manchmal ist ein Glücksschuss dabei. Aber dann ist doch meist ein Tier, Mensch oder ein Gebäude mit drauf :-)

Tier oder Pflanze?

Na klar: Tier. Meine Hunde, fremde Hunde. Und alles was sonst kreucht und fleucht. Stellvertretend für so alles andere mache ich hier heute meine kleine Hundegalerie auf:

Ich zeige Euch Bilder meiner beiden Hunde Idgie und Ben. Da wir einen großartigen Februar hatten, stammen sie alle aus diesem Monat. Sieht ganz schön nach Sommer aus, oder? 15 Grad und Sonne waren nahezu immer an der Tagesordnung. Da sage nochmal was jemand gegen den Winter!

Zudem hatte ich sehr viele Gästehunde vor der Linse – und konnte auf zwei Hütewettbewerben sehen, was Border Collies so machen, wenn sie nicht wie meine das Bett hüten. Schon beeindruckend, oder?

Ein Border Collie setzt einem Schaf nach. Entstanden auf einem Hütewettbewerb in Nehou, La Manche, Normandie
Los jetzt, du blödes Schaf!

Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass ich auch der Pflanzenwelt mittlerweile viel abgewinnen kann. Im Mai habe ich begonnen, Kräuterwanderungen durch unsere Salzwiesen anzubieten. Damit sich die TeilnehmerInnen nicht alles merken oder gar mitschreiben müssen, habe ich ein Booklet kreiert, dass ich am Ende der Wanderung verteile. Dieser kleine Mikrikosmos vor meiner Haustür ist absolut faszinierend, jeden Tag entdecke ich Neues. Für das Booklet musste ich zwangsläufig auch ein paar Pflanzen fotografieren. Also, ich werde in Zukunft ab und an das Makro wieder rausholen, macht nämlich doch Spaß!

Berge oder Meer?

Die einzige Kategorie, in der mir die Entscheidung leicht fällt: Meer! Deshalb sind wir ja hier hergezogen. Und Berge gehen für mich gar nicht mehr, da ich einfach verdammte Höhenangst habe, gepaart mit echten Panikattacken. Der höchste Berg, den ich in diesem Jahr erklommen habe, war der Mont Doville. Ein bisschen über 100 Meter hoch, also wie geschaffen fürs Angsthäschen. Bitteschön: Bilder vom Meer :-) und von den Dünen.

Fremdländisch oder einheimisch?

Das ist eine Frage, die ich gar nicht beantworten kann. Bevor wir in die Normandie gezogen sind, waren wir gerne unterwegs. Seit drei Jahren hat hier Sesshaftigkeit Einzug gehalten, aus mehreren Gründen:

  • Wir haben kein Campingfahrzeug mehr.
  • Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen (ich finde diesen Spruch bescheuert, aber hier passt er wenigstens mal).
  • Wir haben keine Zeit :-O .
  • Wir haben so viele Sehenswürdigkeiten in der Normandie noch nicht gesehen, dass wir nach dem Motto leben "warum in die Ferne schweifen"?

Die philosophische Frage lautet: Bin ich hier eine Einheimische oder eine Fremde? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich hier heimisch, mehr angekommen als in Deutschland, für die Menschen in meinem Dorf bin ich wahrscheinlich immer noch ein Exot :-O .

So standen also wieder viele Mini-Auszeiten auf dem Programm, wir waren in Cherbourg, natürlich am Cap de la Hague, im Val de Saire, in Lion- sur-Mer zum Versteinerungen sammeln, in Mortain und Domfront, in Port-en-Bessin und mehrmals in Saint Lô. Mit den Hunden war ich zudem wandern, und das meiste von dem, was ich dieses Jahr gesehen habe, hat noch keinen Einzug auf der Webseite gehalten.  Deshalb einfach zwei Bilder aus unserem Ort, die ich im Januar gemacht habe. Und außerdem eines, das während der Renovierung unseres Wohnzimmers entstanden ist. Diesen Winter gab es nämlich ziemlich viel Neues, eine neue Couch, eine schicke Kücheninsel, eine Renovierung des gesamten Wohn-Ess-Bereichs. Also für 2019 waren wir fest verbunden mit unserem neuen (oder gar nicht mehr so neuen, drei Jahre sind wir schon hier) Wohnort:

Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?

Ich bin kein früher Vogel! Von daher: Lieber Sonnenuntergang. Allerdings wird es hier im Winter so spät hell, dass ich es auch zum Sonnenaufgang schaffe, Fotos zu machen. Und ganz ehrlich: Das Licht ist meist morgens (noch) besser als abends, zumindest im Winter. Könnt Ihr herausfinden, zu welcher Tageszeit die unten stehenden Bilder gemacht wurden? Auflösung: Das erste und letzte Bild von links sind abends entstanden, die Bilder in der Mitte am Morgen.

Schwarzweiß oder Bunt?

Ja, hier hätte ich noch vor zehn Jahren nichts auf Schwarzweiß kommen lassen. Denn gerade durch die Reduktion schafft Schwarzweiß Platz für Fantasie, für Interpretation, Gefühle und Stimmungen. Und manche Motive wirken einfach in Schwarzweiß, mit hohem Kontrast, am besten. Dennoch: Mehr und mehr kann ich mich auch für Buntes begeistern. Die Farben, das Licht. Es bleibt also unentschieden. Und wie hättet Ihr bei den folgenden Fotos gewählt?

Zugabe 1: Abstrakt

Zudem habe mich dieses Jahr zurück zu meinen Wurzeln begeben, der abstrakten Fotografie, die nur von Form und Farbe lebt. Lange Zeit war das Thema eigentlich für mich auserzählt, rutschte ich in ein fettes Krea-Tief. Dass ich es jetzt wieder ausgegraben habe, ist eher dem Zufall zu verdanken, denn ich habe im CALVENDO-Verlag einen Cotentin-Kalender veröffentlicht und hatte ganz spontan die Idee, aus den Mitbringseln der Fischereihäfen noch einen abstrakt gehaltenen Kalender zu machen. Mir persönlich gefällt das Ergebnis ausgesprochen gut, weswegen ich Euch zwei der Bilder hier zeigen möchte.

Zugabe 2: Herzensbilder

2019 war auch das Jahr des 75-Jährigen Jubiläums des D-Days, und am 6. Juni morgens um 6 Uhr bei der Zeremonie an Utah Beach zu stehen, war ein besonderes Erlebnis. Es war eine kleine, feine und sehr stille Zeremonie, die sich tief in mein Herz gefressen hat. Ich hoffe, die Bilder sprechen an dieser Stelle einfach für sich.

Mein schönstes Foto 2019

Meine Festplatte ist randvoll mit tollen Orten, Menschen, Ereignissen. Kann es da ein schönstes Foto geben? Vielleicht ist manchmal das schönste Foto sogar das, was ich nicht gemacht habe. Weil ich mit anderen Menschen gelacht, geredet, geweint habe und der Augenblick sehr flüchtig war. Kennt Ihr so etwas auch?
Mein großer Vorsatz für das nächste Jahr ist deshalb, digital weniger geschwätzig zu sein und mir wieder mehr Zeit für sehr gute Bilder zu nehmen, anstatt Massen von guten Bildern zu produzieren, von denen nachher keines für sich in Anspruch nehmen kann, das schönste Foto des Jahres zu sein.

Schließlich habe ich mich für dieses Foto entschieden. Warum? Ich hatte hier erst ein anderes Foto stehen, und fand dann, dass jenes gegenüber diesem erheblich abstinkt. Das war ursprünglich für Landschaft vorgesehen, aber da es ja gar kein Landschaftsfoto im strengen Sinn ist und das genau meine Art der Fotografie ist (den Blick auf die kleinen Dinge lenken und das Große, Dominante im Unklaren und Unscharfen zu belassen), darf es hier den Ehrenplatz einnehmen. Wie findet Ihr meine Wahl?

Eine Möwe in Goury, Manche, Basse Normandie. Im Hintergrund der Leuchtturm
Ja, so kann ich dann auch Landschaft: Möwe im Vordergrund und Leuchtturm von Goury im Hintergrund. Zählt das noch als Landschaftsbild?

Tolle Beiträge im aktuellen fopaNet

Ich mag den Vernetzungsgedanken bei der Fotoparade sehr, weil es mich dazu bringt, viele tolle neuen Fotografen kennenzulernen. Und weil es eine kleine, virtuelle Weltreise ist. Deshalb bemühe ich mich, alle Beiträge anzuschauen und die, die mich besonders anspringen, hier zu verlinken. Ich bin noch relativ früh dran mit meinem Beitrag, deshalb müsst Ihr hier immer wieder mal reinschauen, um andere tolle Reisefotografen zu entdecken – die Liste wird fortwährend aktualisiert (letztes Update am 1. Dezember; ich habe alle 124 Beiträge gesehen).

Besonders gut gefallen mir diese Beiträge (die Reihenfolge stelltt keine Wertung dar, ich habe mich einfach von vorne bis hinten durchgeklickt und ja, auch alle anderen Beiträge sind sehr ansprechend :-) und hier zu finden.)

Meine bisherigen Beiträge zur Fotoparade findet Ihr hier:


Merkt Euch diesen Artikel bei Pinterest


Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Michael (Dienstag, 01 Oktober 2019 18:20)

    Wow, super schöne Bilder, toller Stil! Gefällt mir sehr!!
    Lg Michael

  • #2

    Didi (Mittwoch, 02 Oktober 2019 00:00)

    So schöne Bilder mit Seele.
    Treffen einen mitten ins Herz! ❤️

  • #3

    Steffi (Mittwoch, 02 Oktober 2019 15:25)

    Mein Fav ist das Möwenbild! Die Bilder der Soldaten haben eine große Aussagekraft.

  • #4

    Claire von BlueBayou.co (Sonntag, 13 Oktober 2019 22:00)

    Hallo Barbara,

    da hast Du aber fantastische Bilder gemacht! Abstrakt gefällt mir sehr! Sonnenaufgang - darauf tippe ich beim ersten Bild in dieser Kategorie, das mir am besten gefällt. Korrekt? Das mit Schaf und Hund ist absolut perfekt getroffen! Wahnsinn! Und diese Dünen ... wunderschön.

    Danke auch für die Verlinkung! :)

    Gruß, Claire

  • #5

    Torsten (Mittwoch, 16 Oktober 2019 12:52)

    Moin,

    Hut ab! dein Lieblingsbild ist der Hammer! Gefällt mir!

    Beste Grüsse Torsten

  • #6

    Seh-N-Sucht (Montag, 04 November 2019 11:50)

    Mein Favorit ist eindeutig dein schönstes Foto 2019, das Bild mit der Möwe und dem Leuchtturm im Hintergrund. Bei den anderen muss ich sagen, dass es mir tatsächlich zu viele Bilder waren.

    Ich suche mal meine Favoriten aus ...

    Barfleur – in einer Seitengasse
    I feel good
    Irgendwo im Val de Saire. Und ja, das Meer ist tatsächlich so blau!
    Der Corps de Garde bei Grandes Marees
    Bild zwei: Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?
    doch lieber Schwarzweiß? (Wendeltreppe)
    Abstrakt 1
    Ballons für den Frieden. (auch weil ich ein Problem hätte die trauernden Menschen zu zeigen)
    und natürlich Deine Möwe, die wirklich das schönste Bild von allen ist!

    Herzliche Grüße
    Birgit

  • #7

    Katja | Hin-Fahren (Sonntag, 10 November 2019)

    Liebe Barbara, da hast Du ja wieder super Fotos gefunden. Ich weiss gar nicht, welches mir am Besten gefällt. Schön dass die Bilder vom D-Day Jubiläum hier aufgenommen sind und auch das Foto vom Hütehundwettbewerb ist sehr stark. Aber auch Deine Stadtansichten gefallen mir sehr. Ich habe jetzt wieder Reisesehnsucht nach der Normandie und Deinen Beitrag sehr gerne verlinkt https://www.hin-fahren.de/meine-wohnmobil-reisen-2019-lieblingsbilder/
    LG Katja

  • #8

    Steffi (Sonntag, 10 November 2019 16:59)

    Ich muss unbedingt wieder in die Normandie! Danke für die schönen Fotos!

  • #9

    Nadine (Dienstag, 03 Dezember 2019 15:13)

    Hi Barbara,

    du zeigst hier wirklich wunderbare Bilder deiner Wahlheimat. Super interessant für mich, da ich noch nie (shame on me) in der Normandie war. Besonders gut haben mir die Stadtbilder und natürlich Idgie und Ben gefallen... ;)

    LG, Nadine

  • #10

    Bernd (Donnerstag, 05 Dezember 2019 10:08)

    Einfach toll, Danke!!!


Werdet facebook-Fans:

chienNormandie - Fanseite Urlaub mit Hund in der Normandie

Abonniert unseren Newsletter:

Newsletter chienNormandie - Urlaub mit Hund in der Normandie

Tauscht Euch aus:

facebook Gruppe chienNormandie Urlaub mit Hund in der Normandie


Weitersagen:

Wir sind Mitglied bei:

miDoggy Hundeblog

Lasst Euch auf Pinterest inspirieren:


Blog Feed abonnieren:

Reiseblogs.de Banner


Wir empfehlen: