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Vorsicht - Wild!

[UPDATE 2020]Sie streifen durch Wiesen und Wälder, der Aufzug ist martialisch. Vermummt, getarnt und fast wie ein Guerilla-Trupp wirken sie, die französischen Jäger. Nur noch wenige Tage, dann wird in der gesamten Normandie die Jagdsaison eröffnet. Bis Ende Februar hat die Jägerschaft dann Zeit, ihrer Leidenschaft zu frönen.

Urlaub mit Hund in der Normandie: Jagdsaison von Ende September bis Ende Februar

Dabei ist Jagd in Frankreich grundsätzlich anders als in Deutschland. Sie wird als bürgerliches Recht wahrgenommen und ausgeübt. Sie gehört zum französischen Kulturerbe, "art de vivre à la française" nennt es Präsident Macron. Frankreich ohne Jagd? Ähnlich undenkbar wie ohne Käse, auch wenn 2020 erstmals die umstrittene Leimjagd untersagt wurde, der jedes Jahr mehr als 40.000 Singvögel zum Opfer fallen. 

 

Bis vor einigen Jahren der Europäische Gerichtshof die lang geübte Praxis kippte, durfte sogar ausnahmslos auf fremdem Grund und Boden geballert werden. Jetzt, immerhin, kann der Grundstücksbesitzer die Jagd verbieten. Regisseur Luc Besson, der in La Trinité-des-Laitiers im Département Orne 160 Hektar Grund besitzt, macht von diesem Recht zugunsten seiner stattlichen Hirsche Gebrauch, die sich seitdem ungehindert vermehren, zum Ärger der Landwirte – und Jäger. Letztere haben erst 2019 den Regisseur vor dem Gericht in Alencon auf Einhaltung der Abschusspläne verklagt, da die Bestände rasant angewachsen sind und vermehrt Schäden in der Landwirtschaft verursachen. Das Gericht in Alencon sprach Ende Dezember 2019 den berühmten Regisseur frei. Letztendlich konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Schäden in der Landwirtschaft auf die Hirschpopulation Bessons zurückgingen.

 

Die Jagenden, sie sind zahlreich in Frankreich: Über 1,3 Millionen Jäger verzeichnet Frankreich, das entspricht einem Waidmann pro 48 Einwohnern. In Deutschland sind es dagegen nur 351.000 und ein Verhältnis von 235:1. Die Chance, in Herbst und Winter Begegnungen mit französischen Jagd zu machen, sind also groß – erst Recht, wenn Ihr zur Spezies der Hundemenschen gehört, denn in der Regel teilen sich Jäger und Gassigänger das selbe Gebiet. In Deutschland gehört die natürliche Feindschaft zwischen Hundemensch und Jagdmensch schon fast zur Tradition. Das habe ich in Frankreich – zumindest hier im ländlichen Gebiet – bislang anders empfunden. Als 2018 der Hund Wood zum Beispiel monatelang alleine durch die Dünen von Hatainville streifte, half die Jägerschaft mit Lebendfallen aus und war auch kooperativ, als die Jagdsaison startete. Dennoch stehen sich auch in Frankreich Natur- und Umweltschützer einerseits und Jägerschaft anderseits unversöhnlich gegenüber. So haben Vergünstigungen für die Jägerschaft und der massive Einfluss der Jagdlobby auf die französische Regierung im August 2018 mit zum Rücktritt des Umweltministers Nicolas Hulot geführt. Bereits seit letztem Jahr läuft auf mesopinions eine Petition, die eine radikale Reform des französischen Jagdgesetzes fordert. Unter anderem wollen die Petenten erreichen, dass traditionelle Jagdmethoden und tödliche Fallen verboten werden, es mindestens zwei jagdfreie Tage pro Woche gibt – darunter alle Sonn- und Feiertage –, in Schutzgebieten die Jagd abgeschafft wird und alle Jäger jährlich zum Medizinscheck müssen. Über 259.000 Menschen haben bereits unterschrieben, was zeigt, dass die Jagd sich zunehmend mit einer kritischen Öffentlichkeit auseinander setzen muss.

 

Vor allem die Parforcejagden sind Tierschützern ein Dorn im Auge, befeuert wurde die öffentliche Meinung durch einen tragischen Unfall im November des vergangenen Jahres. Die junge, im sechsten Monat schwangere,  Elisa Pilarski ging mit ihrem Hund in einem Wald spazieren, in dem eine solche Meutejagd stattfand. Als sie von den Hunden angegangen wurde, rief sie ihren Verlobten telefonisch zur Hilfe. Der konnte Elisa nur noch tot bergen. Sie starb an Bissen, die ihr von einem oder mehreren Hunden zugefügt worden waren. Von einem Teil der Hundemeute und Elisas eigenen Hunden wurden DNA-Proben genommen – deren Ergebnisse bis heute nicht bekannt sind.

 

Nicht nur deswegen sind gerade die Parforcejagden durch den Zwischenfall in die Kritik geraten. Die Tierschutzorganisation "30 Millions d'amis" hat eine entsprechende Petition gestartet, die Parlamentarierergruppe "Ecologie – Démocratie – Solidarité"  hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der unter anderem solche Jagdpraktiken untersagen soll. Militante Jagdgegner versuchen in manchen Teilen Frankreichs, die Hetzjagden zu verhindern.

Daten der Jagdsaison in der Normandie.

Ein paar Worte zur Jagd in Frankreich

Trotzdem: Ein paar wohlwollende Worte zur französischen Jagd und zu französischen Jägern dürfen in diesem Beitrag nicht fehlen. Das französische Jagdsystem lässt zu, dass die Jäger auf traditionelle Art jagen dürfen, zum Beispiel mit dem Bogen. Weit verbreitet sind die Lockvogeljagd oder die Frettchenjagd. Auch Beagle stöbern Kaninchen in ihren Bauten in den Dünen auf und es ist einfach großartig zu erleben, wie diese Hunde in der Meute genau das ausleben dürfen, wofür sie gezüchtet wurden. Und trotz mehr Jägern und mehr Jagd sieht man auch viel mehr Wild und viele Arten, die einem in Deutschland schon lange nicht mehr begegnen. Jagd und Artenschutz müssen sich also nicht widersprechen. Was, wann und wie gejagt werden darf, legt jedes Département pro Jagdjahr übrigens selbst fest, es gibt zahlreiche Vorschriften zur Durchführung der Jagd und genaue Jagdpläne. Zum Teil erlassen die einzelnen Gemeinden noch weitreichende  Einschränkungen. So dürfen in der Manche zum Beispiel Feldhasen nur zu Beginn der Saison geschossen werden – und nur an genau festgelegten Tagen. Außerdem kümmert sich die Jägerschaft um Naturvermittlung – am Havre de Gefosses zum Beispiel unterhält der Jagdverband der Manche einen Naturlehrpfad und führt auch eigene Veranstaltungen durch.

Gefahren während der Jagdsaison

Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass die Jagdlust mit – wenn auch geringen - Gefahren für Hunde und ihre Zweibeiner verbunden ist. In der Saison 2019/2020 wurden 141 Jagdopfer gezählt, gegenüber 131 in der Vorsaison.  In den Jahren 2019-2020 gab es 11 tödliche Unfälle gegenüber 7 in der vorangegangenen Saison. 90 Prozent aller Opfer waren Jäger; lediglich eines der Todesopfer war ein "Zivilist". Das statistische Risiko, als Spaziergänger, Wanderer oder Autofahrer Opfer eines Jagdunfalls zu werden, ist also trotz der hohen Jagddichte relativ gering. Ich kenne sogar viele Winterurlauber und sogar Silvesterflüchtlinge, die von der Jagdsaison vor Ort noch nichts bemerkt haben – obwohl sie schon jahrelang in die Normandie reisen. Allzu große Sorgen braucht Ihr Euch wegen der Jäger nicht zu machen.

Tipps für Menschen und Hunde

Trotzdem  solltet Ihr  zu Eurem eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber der Jägerschaft ein paar Regeln einhalten:

  • Treibjagden – die zum Teil bereits ab Juni stattfinden – werden durch Schilder abgesichert. Begegnet Euch auf der Wanderung ein Schild mit dem Hinweis „chasse/battue en cours“ (Jagd/Treibjagd im Gange) solltet Ihr einen anderen Weg wählen oder umkehren!
  • Bleibt auf ausgewiesenen Wanderwegen! Viele Wanderwege sind markiert  – und die einheimischen Jäger wissen genau, wo diese verlaufen, denn sie kennen ihr Jagdgebiet wie ihre Westentasche. Streift nicht im Jagdgebiet durchs Unterholz auf der Suche nach frischen Pilzen.
  • Wenn Euer Hund nicht schussfest oder nicht zuverlässig abrufbar ist, gehört er während der Jagdsaison zu seiner eigenen Sicherheit an die Leine!
  • Um Euren Hund zusätzlich zu sichern, macht es wie die Jäger: Streift Eurem Hund eine Warnweste über (in Frankreich bekommt Ihr solche Westen sogar mit dem Aufdruck: "Chien pas gibier" – "Hund, kein Wild" ) und/oder hängt ihm ein Glöckchen um, so kann er nicht mit Wildschweinen verwechselt werden. Auch Ihr selbst solltet im Herbst beim Wandern eine Warnweste tragen, vor allem in der Dämmerung und im Nebel.
  • Wenn Ihr, trotzt aller Umsicht, in eine Jagd geratet: Macht Euch bemerkbar! Bittet den oder die Jäger, Euch einen sicheren Weg aus dem Jagdgebiet heraus zu zeigen.

Gejagt wird übrigens fast überall: In den Dünen – Kaninchen, aber meist nur bis Anfang Januar – in den Wäldern, den Havres und den Bocage-Landschaften. Ganz vereinzelt werdet Ihr auch Jäger am Strand antreffen, wenn sie Jagd auf Wasservögel machen, doch das ist eher die Ausnahme. Eine weitere Ausnahme stellen die Staatsforste, die forêt domaniale, dar. Sie unterstehen nicht der Jagd- sondern der Forstbehörde. Hier darf nur an bestimmten Tagen in der Woche überhaupt gejagt werden. Welche das sind, könnt Ihr hier  nachschlagen.

Auch in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten darf nur an bestimmten Tagen gejagt werden, so wie in den Dünen von Hatainville, wo nur Donnerstag und Sonntag der wilden Leidenschaft gefrönt wird. Außerdem werden mancherorts Zonen ausgewiesen, in denen aus Sicherheitsgründen nicht gejagt werden darf (zum Beispiel am Cap Carteret).

Nützliche Hilfsmittel in der Jagdsaison

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Was soll ich tun, wenn ich einen Jagdhund finde?

Gar nicht so selten kommt es vor, dass Jagdhunde abhanden kommen und sich Wanderern anschließen. Die meisten Jagdhunde tragen ein Halsband mit Telefonnummer, unter der Ihr den Besitzer erreichen können. Andernfalls solltet Ihr – sofern Ihr des Hundes habhaft werden könnt – diesen zum nächsten Tierarzt bringen und den Chip auslesen lassen. Frankreich hat ein gut funktionierendes Haustierregister, in den meisten Fällen lässt sich der Besitzer schnell feststellen.

Gut zu wissen: Die Jagd auf Wasservögel beginnt bereits Anfang August. Deshalb solltet Ihr am Wasser (auch Binnengewässer und Salzwiesen zählen dazu) auch in dieser Zeit die Augen offenhalten!

Zu guter Letzt: Die französischen Jagdvereine bieten während der Saison auch Tage an, an denen es für den interessierten Laien möglich ist, Jagd live zu erleben. Nutzt solche Gelegenheiten, um Euch mit den Gepflogenheiten der französischen Jagd vertraut zu machen.

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