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Vorsicht - Wild!

Sie streifen durch Wiesen und Wälder, der Aufzug ist martialisch. Vermummt, getarnt und fast wie ein Guerilla-Trupp wirken sie, die französischen Jäger. Nur noch wenige Tage, dann wird in der gesamten Normandie die Jagdsaison eröffnet. Bis Ende Februar hat die Jägerschaft dann Zeit, ihrer Leidenschaft zu frönen.

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Dabei ist Jagd in Frankreich grundsätzlich anders als in Deutschland. Sie wird als bürgerliches Recht wahrgenommen und ausgeübt. Bis vor einigen Jahren der Europäische Gerichtshof die lang geübte Praxis kippte, durfte sogar ausnahmslos auf fremdem Grund und Boden geballert werden. Jetzt, immerhin, kann der Grundstücksbesitzer die Jagd verbieten. Regisseur Luc Besson, der in La Trinité-des-Laitiers im Département Orne 160 Hektar Grund besitzt, macht von diesem Recht zugunsten seiner stattlichen Hirsche Gebrauch, die sich seitdem rasant vermehren, zum Ärger der Landwirte – und Jäger.

 

Und die sind zahlreich in Frankreich: Über 1,3 Millionen Jäger verzeichnet Frankreich, das entspricht einem Waidmann pro 48 Einwohnern. In Deutschland sind es dagegen nur 351.000 und ein Verhältnis von 235:1. Die Chance, in Herbst und Winter Begegnungen mit französischen Jagd zu machen, sind also groß – erst Recht, wenn Sie zur Spezies der Hundemenschen gehören, denn in der Regel teilen sich Jäger und Gassigänger das selbe Gebiet. In Deutschland gehört die natürliche Feindschaft zwischen Hundemensch und Jagdmensch schon fast zur Tradition. Das habe ich in Frankreich – zumindest hier im ländlichen Gebiet – bislang anders empfunden, auch wenn Natur- und Umweltschützer  einerseits und Jägerschaft anderseits sich unversöhnlich gegenüber stehen.

Ein paar Worte zur Jagd in Frankreich

Trotzdem: Ein paar wohlwollende Worte zur französischen Jagd und zu französischen Jägern dürfen in diesem Beitrag nicht fehlen. Das französische Jagdsystem lässt zu, dass die Jäger auf traditionelle Art jagen dürfen, zum Beispiel mit dem Bogen. Weit verbreitet sind die Lockvogeljagd oder die Frettchenjagd. Auch Beagle stöbern Kaninchen in ihren Bauten in den Dünen auf und es ist einfach großartig zu erleben, wie diese Hunde in der Meute genau das ausleben dürfen, wofür sie gezüchtet wurden. Und trotz mehr Jägern und mehr Jagd sieht man auch viel mehr Wild und viele Arten, die einem in Deutschland schon lange nicht mehr begegnen. Jagd und Artenschutz müssen sich also nicht widersprechen. Was, wann und wie gejagt werden darf, legt jedes Dèpartement pro Jagdjahr übrigens selbst fest, zum Teil erlassen die einzelnen Gemeinden noch weitreichende  Einschränkungen. So dürfen in der Manche zum Beispiel Feldhasen nur zu Beginn der Saison geschossen werden – und nur an genau festgelegten Tagen. Außerdem kümmert sich die Jägerschaft in vielen Belangen um Naturvermittlung – am Havre de Gefosses zum Beisoiel unterhält der Jagdverband der Manche einen Naturlehrpfad und führt auch eigene Veranstaltungen durch.

Gefahren während der Jagdsaison

Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass die Jagdlust mit – wenn auch geringen - Gefahren für Hunde und ihre Zweibeiner verbunden ist. 143 Jagdunfälle wurden in der Saison 2016-17 registriert, davon verliefen 18 tödlich. Angaben über betroffene Nicht-Jäger fehlen in der Statistik. Allerdings: In der Saison davor waren 83 Prozent der Opfer Jäger und die meisten dieser Unfälle ereignen sich bei der Jagd auf Hochwild. Das statistische Risiko, als Spaziergänger, Wanderer oder Autofahrer Opfer eines Jagdunfalls zu

werden, ist also trotz der hohen Jagddichte verschwindend gering.

Tipps für Menschen & Hunde

Trotzdem  sollten Sie zu Ihrem eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber der Jägerschaft ein paar Regeln einhalten:

  •  Treibjagden – die bereits ab Juni stattfinden – werden durch Schilder abgesichert. Begegnet Ihnen auf der Wanderung ein Schild mit dem Hinweis „chasse/battue en cours“ (Jagd/Treibjagd im Gange) sollten Sie einen anderen Weg wählen oder umkehren!
  • Bleiben Sie auf ausgewiesenen Wanderwegen! Viele Wanderwege sind markiert und ausgewiesen – und die einheimischen Jäger wissen genau, wo diese verlaufen, denn sie kennen ihr Jagdgebiet wie ihre Westentasche. Streifen Sie nicht durchs Unterholz auf der Suche nach frischen Pilzen, wenn Sie Gewehrschüsse in der Nähe hören.
  • Wenn Ihr Hund nicht schussfest oder nicht zuverlässig abrufbar ist, gehört er während der Jagdsaison zu seiner eigenen Sicherheit an die Leine!
  • Um Ihren Hund zusätzlich zu sichern, machen Sie es wie die Jäger: Streifen Sie Ihrem Hund eine Warnweste über und/oder hängen Sie ihm ein Glöckchen um, so kann er nicht mit Wildschweinen verwechselt werden :-) Unter Umständen empfiehlt sich auch für Sie selbst eine Warnweste – in der Dämmerung oder bei Nebel.
  • Wenn Sie, trotz aller Umsicht, in eine Jagd geraten: Machen Sie sich bemerkbar! Bitten Sie den oder die Jäger, Ihnen einen sicheren Weg aus dem Jagdgebiet heraus zu zeigen.

Gejagt wird übrigens fast überall: In den Dünen – Kaninchen, aber meist nur bis Anfang Januar – in den Wäldern, den Havres und den Bocage-Landschaften. Ganz vereinzelt werden Sie auch Jäger am Strand antreffen, wenn sie Jagd auf Wasservögel machen, doch das ist eher die Ausnahme. Eine weitere Ausnahme stellen die Staatsforste, die forêt domaniale, dar. Sie unterstehen nicht der Jagd- sondern der Forstbehörde und hier darf nur an bestimmten Tagen in der Woche überhaupt gejagt werden. Welche das sind, können Sie hier  nachschlagen.

Was soll ich tun, wenn ich einen Jagdhund finde?

Gar nicht so selten kommt es vor, dass Jagdhunde abhanden kommen und sich Wanderern anschließen. Die meisten Jagdhunde tragen ein Halsband mit Telefonnummer, unter der Sie den Besitzer erreichen können. Andernfalls sollten Sie – sofern Sie des Hundes habhaft werden können – diesen zum nächsten Tierarzt bringen und den Chip auslesen lassen. Frankreich hat ein gut funktionierendes Haustierregister, in den meisten Fällen lässt sich der Besitzer schnell feststellen.

 

Zu guter Letzt: Die französischen Jagdvereine bieten während der Saison auch Tage an, an denen es für den interessierten Laien möglich ist, Jagd live zu erleben. Nutzen Sie solche Gelegenheiten, um sich von der französischen Jagd begeistern oder manchem lang gepflegten Vorurteil befreien zu lassen.


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