· 

Vorsicht - Wild!

[UPDATE 2018]Sie streifen durch Wiesen und Wälder, der Aufzug ist martialisch. Vermummt, getarnt und fast wie ein Guerilla-Trupp wirken sie, die französischen Jäger. Nur noch wenige Tage, dann wird in der gesamten Normandie die Jagdsaison eröffnet. Bis Ende Februar hat die Jägerschaft dann Zeit, ihrer Leidenschaft zu frönen.

Urlaub mit Hund, Normandie, Jagdsaison, Jagdsaison mit Hund

Dabei ist Jagd in Frankreich grundsätzlich anders als in Deutschland. Sie wird als bürgerliches Recht wahrgenommen und ausgeübt. Bis vor einigen Jahren der Europäische Gerichtshof die lang geübte Praxis kippte, durfte sogar ausnahmslos auf fremdem Grund und Boden geballert werden. Jetzt, immerhin, kann der Grundstücksbesitzer die Jagd verbieten. Regisseur Luc Besson, der in La Trinité-des-Laitiers im Département Orne 160 Hektar Grund besitzt, macht von diesem Recht zugunsten seiner stattlichen Hirsche Gebrauch, die sich seitdem rasant vermehren, zum Ärger der Landwirte – und Jäger.

 

Und die sind zahlreich in Frankreich: Über 1,3 Millionen Jäger verzeichnet Frankreich, das entspricht einem Waidmann pro 48 Einwohnern. In Deutschland sind es dagegen nur 351.000 und ein Verhältnis von 235:1. Die Chance, in Herbst und Winter Begegnungen mit französischen Jagd zu machen, sind also groß – erst Recht, wenn Ihr zur Spezies der Hundemenschen gehört, denn in der Regel teilen sich Jäger und Gassigänger das selbe Gebiet. In Deutschland gehört die natürliche Feindschaft zwischen Hundemensch und Jagdmensch schon fast zur Tradition. Das habe ich in Frankreich – zumindest hier im ländlichen Gebiet – bislang anders empfunden, auch wenn Natur- und Umweltschützer  einerseits und Jägerschaft anderseits sich unversöhnlich gegenüber stehen. So haben Vergünstigungen für die Jägerschaft und der massive Einfluss der Jagdlobby auf die französische Regierung im August 2018 mit zum Rücktritt des Umweltministers Nicolas Hulot geführt. Und derzeit läuft auf mesopinions eine Petition, die eine radikale Reform des französischen Jagdgesetzes fordert. Unter anderem wollen die Petenten erreichen, dass traditionelle Jagdmethoden und tödliche Falle verboten werden, es mindestens zwei jagdfreie Tage gibt – darunter alle Sonn- und Feiertage –, in Schutzgebieten die Jagd abgeschafft wird und alle Jäger jährlich zum Medizinscheck müssen. Über 100.000 Menschen haben bereits unterschrieben, was zeigt, dass die Jagd, vor allem in der vergangenen Saison, sich zunehmend mit einer kritischen Öffentlichkeit auseinander setzen muss.

Ein paar Worte zur Jagd in Frankreich

Trotzdem: Ein paar wohlwollende Worte zur französischen Jagd und zu französischen Jägern dürfen in diesem Beitrag nicht fehlen. Das französische Jagdsystem lässt zu, dass die Jäger auf traditionelle Art jagen dürfen, zum Beispiel mit dem Bogen. Weit verbreitet sind die Lockvogeljagd oder die Frettchenjagd. Auch Beagle stöbern Kaninchen in ihren Bauten in den Dünen auf und es ist einfach großartig zu erleben, wie diese Hunde in der Meute genau das ausleben dürfen, wofür sie gezüchtet wurden. Und trotz mehr Jägern und mehr Jagd sieht man auch viel mehr Wild und viele Arten, die einem in Deutschland schon lange nicht mehr begegnen. Jagd und Artenschutz müssen sich also nicht widersprechen. Was, wann und wie gejagt werden darf, legt jedes Département pro Jagdjahr übrigens selbst fest, es gibt zahlreiche Vorschriften zur Durchführung der Jagd und genaue Jagdpläne. Zum Teil erlassen die einzelnen Gemeinden noch weitreichende  Einschränkungen. So dürfen in der Manche zum Beispiel Feldhasen nur zu Beginn der Saison geschossen werden – und nur an genau festgelegten Tagen. Außerdem kümmert sich die Jägerschaft um Naturvermittlung – am Havre de Gefosses zum Beispiel unterhält der Jagdverband der Manche einen Naturlehrpfad und führt auch eigene Veranstaltungen durch.

Gefahren während der Jagdsaison

Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass die Jagdlust mit – wenn auch geringen - Gefahren für Hunde und ihre Zweibeiner verbunden ist. 113 Jagdunfälle wurden in der Saison 20176-18 registriert (im Vorjahr waren es noch 143). 115 Opfer wurden identifiziert, darunter sind 17 Nichtjäger. In der vergangenen Saison wurden 13 Menschen getötet (Vorsaison: 18),  darunter drei Nicht-Jäger. Diese allerdings erregten eine große Aufmerksamkeit: So wurde zum Beispiel eine Frau tödlich von einem Jagdgeschoss getroffen, als sie zum Sonnen im Garten lag. Dennoch kommuniziert der "Office national de la chasse et de la faune sauvage" (ONCFS) den Rückgang der Jagdunfälle als erfreulich und als historischen Tiefsstand seit Schaffung des Netzwerks "Sécurité à la chasse".  Das statistische Risiko, als Spaziergänger, Wanderer oder Autofahrer Opfer eines

Jagdunfalls zu werden, ist also trotz der hohen Jagddichte relativ gering.

Tipps für Menschen & Hunde

Trotzdem  solltet Ihr  zu Eurem eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber der Jägerschaft ein paar Regeln einhalten:

  •  Treibjagden – die zum Teil bereits ab Juni stattfinden – werden durch Schilder abgesichert. Begegnet Euch auf der Wanderung ein Schild mit dem Hinweis „chasse/battue en cours“ (Jagd/Treibjagd im Gange) solltet Ihr einen anderen Weg wählen oder umkehren!
  • Bleibt auf ausgewiesenen Wanderwegen! Viele Wanderwege sind markiert  – und die einheimischen Jäger wissen genau, wo diese verlaufen, denn sie kennen ihr Jagdgebiet wie ihre Westentasche. Streift nicht im Jagdgebiet durchs Unterholz auf der Suche nach frischen Pilzen.
  • Wenn Euer Hund nicht schussfest oder nicht zuverlässig abrufbar ist, gehört er während der Jagdsaison zu seiner eigenen Sicherheit an die Leine!
  • Um Euren Hund zusätzlich zu sichern, macht es wie die Jäger: Streift Eurem Hund eine Warnweste über (in Frankreich bekommt Ihr solche Westen sogar mit dem Aufdruck: "Chien pas gibier" – "Hund, kein Wild" ) und/oder hängt ihm ein Glöckchen um, so kann er nicht mit Wildschweinen verwechselt werden. Auch Ihr selbst solltet im Herbst beim Wandern eine Warnweste tragen, vor allem in der Dämmerung und im Nebel.
  • Wenn Ihr, trotzt aller Umsicht, in eine Jagd geraten: Macht Euch bemerkbar! Bittet den oder die Jäger, Euch einen sicheren Weg aus dem Jagdgebiet heraus zu zeigen.

Gejagt wird übrigens fast überall: In den Dünen – Kaninchen, aber meist nur bis Anfang Januar – in den Wäldern, den Havres und den Bocage-Landschaften. Ganz vereinzelt werdet Ihr auch Jäger am Strand antreffen, wenn sie Jagd auf Wasservögel machen, doch das ist eher die Ausnahme. Eine weitere Ausnahme stellen die Staatsforste, die forêt domaniale, dar. Sie unterstehen nicht der Jagd- sondern der Forstbehörde. Hier darf nur an bestimmten Tagen in der Woche überhaupt gejagt werden. Welche das sind, könnt Ihr hier  nachschlagen.

Jagdzeiten in der Normandie Saison 2018/19

Was soll ich tun, wenn ich einen Jagdhund finde?

Gar nicht so selten kommt es vor, dass Jagdhunde abhanden kommen und sich Wanderern anschließen. Die meisten Jagdhunde tragen ein Halsband mit Telefonnummer, unter der Ihr den Besitzer erreichen können. Andernfalls solltet Ihr – sofern Ihr des Hundes habhaft werden könnt – diesen zum nächsten Tierarzt bringen und den Chip auslesen lassen. Frankreich hat ein gut funktionierendes Haustierregister, in den meisten Fällen lässt sich der Besitzer schnell feststellen.

Zu guter Letzt: Die französischen Jagdvereine bieten während der Saison auch Tage an, an denen es für den interessierten Laien möglich ist, Jagd live zu erleben. Nutzt solche Gelegenheiten, um Euch mit den Gepflogenheiten der französischen Jagd vertraut zu machen.


Euch könnten auch folgende Themen interessieren


Euch gefällt dieser Artikel? Dann merkt ihn Euch auf Pinterest:



Werdet facebook-Fans:

chienNormandie - Fanseite Urlaub mit Hund in der Normandie

Abonniert unseren Newsletter:

Newsletter chienNormandie - Urlaub mit Hund in der Normandie

Tauscht Euch aus:

facebook Gruppe chienNormandie Urlaub mit Hund in der Normandie


Weitersagen:

Wir sind Mitglied bei:

miDoggy Hundeblog

Lasst Euch auf Pinterest inspirieren:



Wir empfehlen: