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Seelenhunde – Hunde für die Seele

"Seelenhund" ist eine beliebte Vokabel in der Hundeszene, um die besondere Mensch-Hund-Beziehung zu beschreiben. Die ultimative Beziehung sozusagen. Aber gibt es ihn überhaupt, den Seelenhund? Ein paar Gedanken für die miDoggy-Blogparade im November.

Ben und Idgie – absolut unterschiedlich, aber wahre Hunde für die Seele
Idgie ist mein absoluter Seelenhund.

Er ist in der Hundeszene allgegenwärtig, der sogenannte Seelenhund. In den Hundeforen, auf Blogs und in Magazinen kursieren unterschiedliche Defintionen darüber, was denn nun der Seelenhund ist.   Severine Martens hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, und in ihrem Blog "Fabelschmiede" heißt es unter anderem:
"Seelenhunde reparieren Deine Seele und auch Dein Herz, jeden Tag mehrmals und immer wieder."

Nach dieser Defintion hat jeder Hund das Potential, ein Seelenhund zu sein. Eben, weil Hunde – und auch Pferde, Katzen und andere Haustiere – Balsam für unsere Seele sind. Uns ein Stück vom verloren gegangenen Paradies zurück geben. Aber reicht das, um zu beschreiben, was ein Seelenhund ist? Nein, sagen andere wiederum. Alle Hunde sind toll, aber der Seelenhund, der ist etwas ganz besonderes. Eben der Hund, der einen selbst perfekt widerspiegelt, zu dem eine besondere Beziehung besteht, dem ich blind vertrauen kann, der mir blind vetraut. Der Fels in der Brandung, der Fixstern in der Nacht. Aber wer hat denn nun recht?

Meine Weggefährten – und Seelentiere

Viele Vierbeiner haben mein Leben begleitet. Hunde, Katzen, Ziegen. Zu nahezu allen habe ich eine wirklich ganz besondere Beziehung aufgebaut, wirklich alle habe ich geliebt.

Mein erster eigener Hund hieß Susi und war ein Langhaardackel. Ich liebte sie, auch wenn sie sicher nicht gerade der Hund war, den man seiner Tochter als ersten Hund wünscht. Ganz leicht war es nicht, und es endete tragisch – meine arme, kleine Hündin verendete an einem Giftköder, rang Tage mit dem Tod, bis sie über die Regenbogenbrücke gehen durfte. Ihr Tod hinterliess tiefe Narben auf meiner Kinderseele.

Oft sind es ja gerade die traurigen, die schrecklichen Stunden, die Vier- und Zweibeiner zusammenschweißen. Sei es, weil der Mensch in Trauer und Leid besondere Empathie von seinem Hund oder seiner Katze erfahren hat, oder weil das Tier schwer erkrankt oder entlaufen war und das Bangen und Hoffen die Beziehung vertieft hat. Manchmal sind es aber winzige Momente, ein Wimpernschlag, die dieses besondere Band wachsen lassen. Es sind die kleinen Dinge, die unser (gemeinsames) Leben groß werden lassen. Mit so einem winzigen Funken begann die Liebesgeschichte zwischen mir und Marie. An einem regnerischen und trüben Septemberabend hatte sich diese Handvoll Katze, gerade mal vier Wochen alt, in selbstmörderischer Absicht vor mein marodes Auto geworfen. Sie war mehr tot als lebendig, verfloht, verrotzt und ziemlich chancenlos. Deshalb habe ich sie mitgenommen, zum Tierarzt geschleppt, gehegt und gepflegt. Doch wirklich mit dieser Katze leben wollte ich nicht. Bis zu jenem Abend, da mein damaliger Lebensgefährte frisches Rindfleisch schnitt und die kleine Marie, die nebenan ins Regal geklettert war, mit großem Ernst ihre kleine Pfote auf seine Schulter legte und ihn tief anblickte. In diesem Moment war es um mich geschehen und Marie war die nächsten 15 Jahre der einzige Fixpunkt in meinem oft unsteten Leben. Marie hat jedes ihrer Leben gelebt und ist schon lange nicht mehr bei mir, aber ihr Schnurren höre ich manchmal immer noch im Wind. Sie wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Marie – mein Seelentier, unvergessen.
Marie – Seelenkatze

Idgie – mein Rettungshund

Irgendwann musste es dann wieder ein eigener Hund sein. Und weil ich mich schon vor Jahrzehnten in die Rasse verliebt hatte, ein Border Collie. Bei Idgie und mir war es Liebe auf den ersten Blick. "Aus nur mal gucken" wurde ganz schnell "ja, ich will!" – auch

wenn ich in der Entscheidungsphase mehr als einmal Rotz und Wasser geheult habe. Wir haben beide von Anfang an gewusst, dass wir zusammen gehören, ganz leicht wurde es trotzdem nicht. Die Bordernase hatte nämlich durchaus eigene Vorstellungen davon, wie ihr perfektes Leben auszusehen hätte, und bei aller Liebe zu mir – bei so vielen Dingen war das Frauchen am anderen Ende der Leine oft nur lästig. Mit viel Geduld, Unterstützung der weltbesten Hundetrainerin, nochmal Geduld und entschieden mehr Gelassenheit meinerseits sind wir schließlich doch noch ein annehmbares Mensch-Hund-Team geworden. Kein perfektes – aber das war auch nie wirklich unser Ziel. So sind wir zwar keine Streber auf dem Hundeplatz geworden – "Was kann denn dein Border alles so?"-"Nichts!" – aber auch nicht der Schrecken der Nachbarschaft. Und Idgie ist definitiv mein Seelenhund. Sie spiegelt mich zu 100 Prozent (nicht immer schön und einfach), ist mir in vielen Dingen ähnlich (gar nicht schön), kennt und beobachtet mich genau, bringt mich zum Lachen und zaubert mir immer dann ein Lächeln ins Gesicht, wenn es mir gerade wirklich schlecht geht. Sie ist super cool und selbstbewusst geworden und mit mir durch ein paar wirklich miese und viele echt beglückende Tage gegangen. Ohne Idgie wären wir mit Sicherheit noch nicht hier, in der Normandie. Sie war einer der Katalysatoren, die dieses Projekt "Wir ziehen nach Frankreich" angetrieben haben.

Seelenhund, Normandie, Strand
Idgie am Strand von Saint-Germain-sur-Ay

Und dann kam – Ben

Wieso schafft frau sich einen zweiten Hund an, wenn der erste doch ein Seelenhund ist? Der Außergewöhnliche, Einzigartige, Unvergleichliche? Eben genau deshalb – damit Idgie nicht nur menschliche, sondern auch tierische Gesellschaft hat. Einen Artgenossen, den ich ihr nicht ersetzen kann. Hundeschulen gibt es in der französischen Provinz kaum und dass ich mit meinem Hund spazieren gehe, entlarvt mich sofort als Ausländer. Das tut hier nämlich so gut wie keiner. Ergo waren unsere Gassibekanntschaften im Vergleich zu Deutschland anfangs eher dünn gesät. Ich war also der Ansicht, dass ein zweiter Hund keine schlechte Idee sei und habe relativ schnell Kontakt mit der belgisch-französischen Tierschutzorga "BorderlineCollie" aufgenommen. Von da haben wir Ben bekommen – einen jungen belgischen Border aus Arbeitslinie, der die Arbeit an den Schafen verweigert hat.

Seelenhund Ben Normandie Border Collie
Ben ergänzt Idgie und mich in vielerlei HInsicht perfekt

Ben ist in vielen Punkten das Gegenteil von Idgie und mir. Und ergänzt uns von daher perfekt. So ist er zum Beispiel unglaublich verschmust, anhänglich und liebesbedürftig. Er erobert die Herzen fremder Menschen und stolzer Artgenossinnen im Sturm. Und er ist unglaublich leichtführig – was man von Idgie nun wahrlich nicht behaupten kann. Ben ist ein absoluter Traumhund. Und ein Seelenhund – wenn auch auf ganz andere Art als Idgie.

Und die Moral von der Geschicht ...

Zum Glück ist es eine typisch menschliche Eigenschaft, immer alles einzuordnen und bewerten zu wollen. Die Beziehung zu seinen Tieren und Mitmenschen immer definieren zu müssen. Und so lasse ich die Frage einfach offen, was denn nun der Seelenhund eigentlich ist. Denn diese Defintion ist so individuell, so einzig- und großartig wie unsere Hunde.


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Kommentare: 1
  • #1

    Anke (Donnerstag, 30 November 2017 21:54)

    Vielen Dank. Das ist super geschrieben. Ich habe auch zwei davon. Und sie sind mehr als verschieden. Ich liebe beide und beide zeigen Wesenszüge von mir. Das Wort "Seelenhund" macht durch seine Exklusivität traurig. Ich glaube jeder Hund, der mit mir durchs Leben geht, gibt mir all sein Vertrauen und ich vergleiche ihn nicht, um meine Liebe zu ihm zu messen.


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